Sufjan Stevens – Carrie & Lowell Live (2017)

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell Live
Label: Asthmatic Kitty Records, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Indie, Folk

Zumindest für mich grenzt es an ein Grossereignis, wenn Sufjan Stevens ein neues Album veröffentlicht. Und als er 2015 mit „Carrie & Lowell“ endlich wieder zu seinen leisen und introvertierten Singer-Songwriter-Wurzeln zurückkehrte, war dies umso intensiver. Mit der Konzertaufnahme aus dem North Charleston Performing Arts Center aus ebendiesem Jahr zeigt der Künstler aus den USA aber auch, dass diese Folk-Kleinode wunderbare Skizzen für Grösseres sind. Denn was hier mit seiner Band veranstaltet wurde, ist eine neu erfundene und stark berührende Meditation über Stevens Familiengeschichte.

„Death With Dignity“ zeigt sich zwar noch zurückhaltend und will nebst Banjo und Gesang keine grossen Sprünge wagen, mit jedem Lied steigert sich das Volumen und die Instrumentenanzahl aber immer mehr und plötzlich landet man in ausufernden Instrumentalteilen, gleitenden Orgeln, Chorgesang und schon fast Jazz-artiger Melodienkombination. Als bestes Beispiel dient „All Of Me Wants All Of You“, das mit Synthies, Schlagzeug und mehrstimmigem Gesang seine ätherische Ebene verlässt und alle auf eine weitreichende Reise ins All mitnimmt. Vom ursprünglichen Wesen ist die Seele in bester Form erhalten, alles andere wurde umgekrempelt. Sufjan Stevens ist aber ein solch starker Komponist, dass dies seinen Songs sogar noch hilft.

Und so erstarkt das Konzert mit jedem Lied, die Band scheint über sich hinauszuwachsen und aus leisem Folk wird fesselnder Indie-Art-Pop und Psychedelic. Mit „Vesuvius“ und dem fantastisch improvisierten Outro zu „Blue Bucket Of Gold“ – welches eine begnadete Viertelstunde dauert – erhalten auch Technikfans ihre Geschenke und man kann nur staunen. Somit bestätigt sich die Regel des Sufjan Stevens: Man wartet zwar immer viel zu lange auf neue Veröffentlichungen des Herrn, sobald man aber etwas neues erhält, überstrahlt es alles bisher Dagewesene.

Anspieltipps:
Death With Dignity, All Of Me Wants All Of You, Vesuvius

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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