Live: Riverside, Z7 Pratteln, 17-05-10

Riverside
Mittwoch 10. Mai 2017
Z7, Pratteln

Wiedergeburten, oder eher Neuanfänge, sind schwierig – zu vieles erinnert an die vergangenen Zeiten, zu schwer lasten die Gefühle auf dem Herzen. Für die polnische Progressive Rock Band Riverside war es gar noch schwerer, ihre aktuelle Tour in Angriff zu nehmen – verstarb doch im Februar 2016 ihr Gitarrist Piotr Grudziński. Lange war unsicher, wie die Zukunft der Gruppe aussehen würde. Nun können wir alle kollektiv aufatmen, denn die Reise geht weiter. Für ihre aktuelle Konzertreihe hat sich das Trio Maciej Meller für die Saitenzauberei ins Boot geholt und besuchte somit in neuer Formation und mit radikal geänderter Setlist das Z7.

Dies war auch nötig, denn nicht nur zwischen den Musikern herrschen nun andere Emotionen, auch das Publikum in Pratteln war sich bewusst, dass dieser Auftritt von einer gewissen Trauer begleitet werden würde. Egal wie oft man Riverside schon zugejubelt hatte, es tat weh Mariusz Duda, Piotr Kozieradzki und Michał Łapaj mit diesem Wissen entgegenzutreten. Sich dessen bewusst, wandte sich die Band gleich zu Beginn an die Leute und erklärte sich und ihre Hoffnungen und den Abend – welche sich dann auch alsbald bewahrheiteten. Man wurde Zeuge eines selbstbewussten, gefühlvollen und energiegeladenen Auftrittes. Wie es bereits Heraklit sagte: „Alles fliesst.“ Und so wirkte auch die Musik an diesem Abend.

Umrahmt von dem wunderschönen „Coda“ tauchten Riverside in ein Set voller langer, ausdrucksstarker und progressiver Liedern ein. Gleich zu Beginn führten uns lange Tracks wie „Second Life Syndrome“ oder „Caterpillar and the Barbed Wire“ vor Augen, dass die Polen zu Recht als eine der besten Bands im Bereich des modernen Art-Rock gelten. Was diese Herren zu viert auf die Beine stellen, ist extrem berührend und umwerfend. Fantastische Songstrukturen, grossartige Harmonien und wild ausufernde Instrumentalstellen – gepaart mit dem bezaubernden Gesang von Duda. Egal ob sich stetig steigernd wie bei „Escalator Shrine“ oder sofort pochend wie bei „02 Panic Room“, mit jeder Minute stieg die Stimmung in der Konzertfabrik.

Alsbald wurde aus Zweifel und Schmerz ein neues Gefühl des Aufbruchs, der Hoffnung und der Liebe. „Towards the blue horizon / We could open minds / Let me tell you a story / About you and me in those days / We just lived our lives“ – Riverside fanden die perfekte Mischung aus Rückschau, Gegenwartsfestigung und Herantasten an die kommenden Jahre. Und egal was noch passieren wird, solche wundervolle Konzerte wie dieses wird uns nie mehr jemand nehmen können. Es stimmt halt schon, was Duda am Ende noch anmerkte – zwischen dieser Band und den Fans ist keine Freundschaft, es ist eine Familie.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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