Lingua Nada / Paan – Split (2017)

Lingua Nada / Paan – Split
Label: Kapitän Platte, 2017
Format: Vinyl
Links: Discogs, Lingua Nada, Paan
Genre: Experimental, Math-Rock, Noise, Punk

Kaum will man die Platte anschauen oder auflegen, purzelt einem ein handgemalter Flamingo entgegen. Das wunderbare Pink passt sich super der bunten Gestaltung dieser Split-LP aus dem Hause Kapitän Platte an. Und ist erstaunlicherweise eine perfekte Ergänzung zur Musik, offenbaren das Tier wie auch das Vinyl unter dem süsslichen Aussehen einen angriffigen Charakter. Hier gibt es von zwei Bands aus Leipzig Musik zwischen Lärm-Experimenten, Krach-Rock und Antihaltung.

Lingua Nada sind vor allem ungezügelt, laut und komplex. In kurzen Songs zerlegen sie den Indie-Rock des vergangenen Jahrhunderts mit tausenden von Verzerrungen und schneiden die Takte auseinander. Was in der elektronischen Musik seit längerem von Künstlern wie Amon Tobin oder Cristian Vogel gemacht wird, darf nun endlich auch punkig den Math-Rock explodieren lassen. Lieder wie „Franca“ oder „Nom Noms“ sind dabei genau so nervös wie belohnend. Aufdrehen, vor dem Mund schäumen und die Welt erzittern lassen.

Die zweite Seite der bespritzten Platte will nicht immer gleich von Höhepunkt zu Höhepunkt hetzen, Paan geniessen den Aufbau. Dagegen stellen sie keinen Gesang, sondern Geschrei – hier treffen Screamo und Post-Hardcore in engstem Raum aufeinander und schubsen sich gegen dreckige Stützen. Mit Melodien, die von chaotischen Gitarren gespielt werden und einem Schlagzeug, das auf der Überholspur lauert. Auch aus Leipzig stammend, halten sie Lingua Nada die Waage mit drei längeren Songs – und schaben einem das Trommelfell aus den Ohren.

Wer sich also nicht vor der Wildheit fürchtet, der kann sein Plattenregal mit einer rohen und schier nadelschmelzenden Scheibe erweitern. Wie gewohnt ist diese Veröffentlichung des Bielefelder Labels extrem liebevoll aufgemacht und wartet mit Inlay und Beilagen auf. Wer also das Gehör vor lauter Erregung verliert, der findet immer noch genügend Gründe, um die Scheibe mit den Augen zu geniessen.

Anspieltipps:
Lingua Nada – Franca, Lingua Nada – Nom Noms, Paan – Yamaha

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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