Live: Nathan Gray Collective, Hafenkneipe Zürich, 17-04-20

Nathan Gray Collective
Support: The Devil’s Trade
Donnerstag 20. April 2017
Hafenkneipe, Zürich

Es fühlte sich schon speziell, aber auch wunderbar an, Nathan Gray für einmal so nahe und im kleinen Rahmen erleben zu dürfen. Denn noch vor wenigen Jahren wäre aus dieser Wunschvorstellung bestimmt nie Wirklichkeit geworden; der Mann war mit seiner Band boysetsfire bereits zu bekannt. Doch alles hat ein Ende – oder in diesem Fall einen Neuanfang. Der Künstler suchte nach neuen Mitteln, um sich auszudrücken und seine persönlichen Anliegen noch stärker in die Musik einzubringen und formierte darum, zusammen mit Musiker und Produzent Daniel E. Smith, das Nathan Gray Collective. Und wohin passt diese Truppe besser als in die Hafenkneipe?

Wohl in einen Kerker, oder zumindest eine düstere und irgendwie bedrohliche Halle. Denn was die drei Herren in diesem kleinen Lokal ablieferten, war nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich kein leichter Brocken. Aus dem Hardcore kommend, hat sich die Musik des Nathan Gray Collective während der Arbeit am Album immer mehr Richtung Dark Wave und Synthie-Angriff entwickelt. Live gingen die elektronischen Spuren von Songs wie „Skin“ oder „Desire“ etwas unter, was aber vor allem an der körperlichen Nähe zum Schlagzeug lag. Die Vibes waren aber immer zu spüren und das Konzert hatte von Beginn an diese weitere Tiefe.

Wobei besonders Nathan Gray selber für die emotionale Bindung an seine Musik fungierte – sang der Künstler schliesslich nicht nur seine Texte, sondern durchleidete sie und benutzte die kleine Bühne als Platz des extremen Ausdrucks. Mit grossen Gesten, dem Einbringen der satanisch angehauchten Bühnendekoration und seiner wandelbaren Stimme wurden Lieder wie „At War“ und „Heathen Blood“ zu grossen Eruptionen. Natürlich drückte der Hedonismus von Herrn Gray auch hier durch, besonders bei seinen Ansagen und kleinen Erklärungen, aber es war dennoch ein berührendes und mitreissendes Konzert. Die Ablösung des Nathan Gray Collective von seiner Vergangenheit hat noch nicht komplett stattgefunden, doch weit bis zur Läuterung ist es nicht mehr.

Und wie der Abend mit „Corson“ ruhiger, aber genauso eindringlich endete, so begann er mit dem Auftritt von The Devil’s Trade. Der Musiker machte sich mit Gitarre, Kapuzenpullover und fantastischer Stimme daran, die Besucher auf die kommende Wucht vorzubereiten. Dabei zeigte sich sein Motto „Happy Music Is Shit“ als ernst gemeint und die Stücke waren oft melancholisch oder gar traurig. Schön aber, dass hinter solcher Musik Menschen lauern, die auch über sich selber lachen können. The Devil’s Trade baute somit immer wieder witzige Aussagen in sein Set ein – und Nathan Gray freute sich so sehr über den praktisch ausverkauften Raum, dass er das Grinsen fast nicht mehr wegbrachte. Wer sagte denn, dass der Teufel immer ernst sei?

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

 

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