Ryan Adams – Prisoner (2017)

Ryan Adams – Prisoner
Label: Blue Note / Universal, 2017
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Country, Folk-Rock

Wie findet man für sein 16. Studioalbum noch neue Inspiration? Ryan Adams greift unfreiwillig auf die mächtigste Kraft in der populären Musik zurück – die Liebe und den Schmerz des Verlustes. Beeinflusst von seiner Trennung von Mandy Moore liefert der Musiker aus den USA mit „Prisoner“ ein Werk ab, das aber nie in die Schluchten der Trauer fällt, sondern in seiner Folk-Rock-Form immer wieder für ein angenehmes Gefühl sorgt. Besonders in der ersten Hälfte verleihen einem die Songs ein gar beschwingtes Gefühl und bereits nach wenigen Minuten brennen sich einzelne Momente und Lieder in das Herz ein.

„Prisoner“ ist somit nicht nur ein Abschluss, sondern auch ein Beginn – wie der erste Augenkontakt mit einer zukünftigen Liebschaft. Schon alleine wie „Do You Still Love Me?“ die Platte mit sanfter Orgel und dann plötzlich ausbrechenden Gitarren beginnt – herrlich. Wenn dann Ryan Adams mit „I’ve Been Thinking About You Babe / You’ve been on my mind“ die Stimme von Richard Ashcroft streift, ist klar: Hier blieb vieles von dem Taylor Swift-Coveralbum hängen. Der Alternative Country mischt sich mit Pop, es kanalisiert die aktuellen Strömungen. In den besten Momenten erinnert Adams dabei an Bruce Springsteen („Haunted House“), in den schlimmsten erhält man lyrische Klischees und eine Standardinstrumentalisierung.

Doch als Gesamtwerk funktioniert „Prisoner“ – wird hier doch wieder mit der geerdeten Sehnsucht und den realen Träumereien gespielt. Ryan Adams war schon immer einer der zugänglichsten Künstler im modernen Country-Rock, und dies bleibt auch 2017 so. Egal ob der Herzschmerz manchmal etwas zu stark wird, die Mischung aus Folk und Americana birgt auch immer Hoffnung. „We Disappear“ beendet die Platte zwar etwas resigniert, doch Adams zeigt damit nur, dass er wiederum mit Musik eine Phase abschliessen konnte.

Anspieltipps:
Do You Still Love Me?, Haunted House, We Disappear

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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