Schrottgrenze – Glitzer auf Beton (2017)

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Schrottgrenze – Glitzer auf Beton
Label: Tapete Records, 2017
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative Pop, Indie

Wer sich nach einer Auflösung neu formiert und zurückkehrt, der muss auch etwas Wichtiges zu sagen haben. Bei vielen Wiedervereinigungen fehlt genau dieser Aspekt – Schrottgrenze können darüber nur lachen. Die Pop-Punk-Indie-Band aus Peine löste sich 2010 nach 16 Jahren auf, fand in den vergangenen Monaten aber wieder zusammen. Mit „Glitzer auf Beton“ gibt es nun endlich neue Musik – und schon beim Betrachten des Cover fällt auf, hier bleibt weniges beim Alten. Wo früher Punk im Türrahmen stand, gilt nun der Power-Pop, in den Texten geht es um Transsexualität.

Ein Thema, das in der heutigen Zeit eigentlich kein Aufsehen und schon gar keine negative Erregungen wecken sollte – doch leider ist die Toleranz immer noch nicht viel weiter. Besonders im Indie regieren weiterhin die kaukasischen Männer, das Testosteron und die sinnlosen Handlungen stehen an der Front. Schrottgrenze lehnen sich gegen diese Engstirnigkeit auf und fordern offene Musik – „lieb doch einfach wen du willst“, heisst es hier. In Verbindung mit der sehr eingängigen Musik ist dieser Gitarrenpop auf den Punkt formuliert, hüpft aber etwas zu sanft ins Bild. Denn was die Lyrics an wichtigen und tiefen Aussagen bereithalten, vermag der musikalische Aspekt nicht ganz zu tragen.

„Glitzer auf Beton“ ist kein schlechtes Album, nein es ist sogar ein wichtiges. Schrottgrenze gehören gelobt für den Anstoss der Diskussion, die Botschaft hätte aber interessantere Musik verdient. Lieder wie „Lashes To Lashes“ oder „Sterne“ sind toll, nähren aber fleissige Musikhörer zu wenig. Die Band stellt sich somit selbstbewusst gegen ihre eigene Vergangenheit und zeigt eine bessere Zukunft. Und alle, die sich beim Gedanken an Queer-Indie unwohl fühlen, hören „Glitzer auf Beton“ so lange, bis sie es kapiert haben. Wir sind alle gleich.

Anspieltipps:
Sterne, Lashes To Lashes, Zeitmaschinen

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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