Live: Esben And The Witch, Bogen F Zürich, 17-02-15

Esben And The Witch_Bogen F_MBohli

Esben And The Witch
Support: Sum Of R
Mittwoch 15. Februar 2017
Bogen F, Zürich Hardbrücke

Noch selten war der Bogen F in Zürich-Hardbrücke so klein und so riesig zugleich – denn das Kulturlokal wurde noch vor Beginn der Konzerte mit Unmengen an Trockennebel gefüllt. Man fühlte sich somit in einer grossen Gruft gefangen, ohne die Grenzen wahrzunehmen. Und auch bei der alsbald erklingenden Musik war es schwer, klare Formen und Konturen zu erkennen. Sum Of R, ein dunkles Duo und Band von Reto Mäder, lässt die Schweiz seit 2008 ein Stück unbehaglicher werden. Ihre instrumentalen Ergüsse wabern zwischen Doom, Drone und Post-Metal. Auch an diesem Mittwoch liessen sie die Zuschauer in eine Welt voller sonischer Wände und Schattenzeichnungen eintauchen.

Allgemein war bei diesem und dem nachfolgenden Auftritt von Esben And The Witch gut zu sehen, wie stark eine Lichtuntermalung das Konzerterlebnis verstärken und verändern kann. Die ritualmässigen Kompositionen von Sum Of R wurden in heftiges Strobogewitter getaucht, die Musiker meist nur indirekt beleuchtet. Als Besucher tauchte man somit in eine Zwischenwelt ab, in der man ohne jeglichen Besitz oder Verlangen existierte. Und dieses Gefühl wurde auch bei dem diesjährig einzigen Schweizer Auftritt der Gruppe aus England beibehalten. Das Trio startete im Bogen F seine aktuelle Tour und liess die Besucher die neuste Platte „Older Terrors“ live erfassen.

Obwohl Esben And The Witch sich eigentlich nie greifbar machen, wirkten sich doch wie ein tonnenschwerer Fels, der auf deinen Kopf fiel – sich zugleich aber auch wie Nebel wieder verflüchtige. Ihre Lieder werden live zu langen und in sich verzahnende Urwesen, mit bedrohlichen Tieftönen und Explosionen. Egal ob die Gruppe nun bekanntere Stücke wie „Marching Song“, lange Albträume wie „The Jungle“ oder komplett neue Stücke präsentierte – hier vermischte sich alles zu einer Trance. Man wankt in der Dunkelheit umher, versucht sich am Gesang von Bassistin Rachel Davies festzuhalten und wird doch von Gitarrenmelodien zerfetzt. Irgendwo zwischen Gothic Rock, Post-Doom und Alternative setzte das Konzert auf den Boden auf. Musik als Erlebnis, hier zwischen Horror und herrlichstem Rausch.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Sum Of R_Bogen F_MBohli

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