Live: Touché Amoré, Dynamo Zürich, 17-02-11

Touche Amore_Dynamo 17_MBohli

Touché Amoré
Support: Angel Du$t, Swain
Samstag 11. Februar 2017
Dynamo / Werk21, Zürich

„You often find yourself putting off everyone while finding comfort in other songs / To distract the fact that you’re actually disappearing“ – Sänger Jeremy Bolm trifft mit seinen lauten und knappen Sätzen die Hörer und Besucher mitten im Herz. Die restlichen Musiker von Touché Amoré treffen mit ihren Instrumenten alle anderen Körperteile – ihre Mischung aus Screamo und Post-Hardcore ist brutal und direkt. Und somit war auch das Konzert im Werk21 in Zürich eine heisse, kontaktfreudige und vor allem grossartige Angelegenheit. Selten erlebt man wohl einen Anlass mit einer solch intensiven Kombination aus Glück und Trauer.

Mit ihrem vierten Album „Stage Four“ im Gepäck machte sich die Band aus den USA ein erneutes Mal daran, Europa mit ihren emotionalen und oft herzzerreissenden Songs zu erobern. Touché Amoré geben sich nämlich nicht damit zufrieden, harte und schnelle Musik zu spielen. Seit ihrem Debütalbum „… To the Beat of a Dead Horse“, welches 2009 erschien, kombinieren sie kurze Stücke voller Wut und musikalischen Fausthieben – geschmückt und vollendet mit nachdenklichen und oft zu realen Texten über Verluste, soziale Ungerechtigkeit und Daseinszweifel. Auch im Kellerraum des Dynamo brachen schon nach wenigen Sekunden alle Dämme und das Publikum moshte, schrie und nahm die energetische Band in jubelnden Empfang.

„If actions speak louder than words / I’m the most deafening noise you’ve heard / I’ll be that ringing in your ears / That will stick around for years“ – und der Eindruck, den Touché Amoré an diesem Samstag in mir hinterlassen haben, wird wohl für immer bleiben. Denn auch live zeigte sich das Talent der Band, in ihre heftigen Ausbrüche immer wieder wunderschöne Melodien einzuweben und dabei humanistisch und tolerant zu sein. Sogar die „sanften“ Stellen wie „Benediction“ fügten sich perfekt in das Geschehen ein, Frauen und Männer schnappten sich das Publikum von Bolm oder liessen sich auf Händen durch den Raum tragen.

Voran gingen zwei weitere Gruppen aus den amerikanischen Staaten, welche genau so sympathisch und weltoffen die Bühne betraten. Angel Du$t mischten den Hardcore mit viel Punk, auch hier schrie das Publikum selber viele Zeilen in die Mikrofone und sprang zwischen den Musikern von der Bühne. Noch roher und direkter als Touché Amoré, aber nicht weniger lockend und fesselnd. Swain hingegen gaben sich als zahmste Truppe von diesem Dreiergespann, zeigten sich aber von ihrer besten Seite und liessen ihren alternativen Hardcore-Rock schmutzig, unperfekt und wild tanzend den Abend anfeuern. Ausverkauft zu gutem Recht, hier erhielt man drei Mal aktuelle und wichtige Musik aus dem harten Sektor.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Angel Dust, Dynamo 17 MBohli

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