Live: The Hotelier, Dynamo Zürich, 17-02-06

The Hotelier_Dynamo_17_MBohli

The Hotelier
Support: Crying
Montag 06. Februar 2017
Werk 21 / Dynamo, Zürich

„Hi, we are Crying.“ Mit einem solchen Satz ein Emo-Konzert zu beginnen ist zugleich die beste Wortwahl, wie auch die grösste Klischeefalle aller Zeiten. Denn viel zu oft wird diese Unterart des Alternative Rock immer noch mit der schlimmen Modeentwicklung der 2000er verwechselt – wo trauriges Dichten und betrübtes Herumsitzen zum Alltag gehörte. Am Montagabend im Werk21 des Dynamo in Zürich gab es aber keine Gründe, seine Adern und Venen aufplatzen zu lassen – sondern viel mehr sich gut zu fühlen und oft nebst dem Tanzen auch zu lachen. Wer hätte gedacht, dass The Hotelier eine solch tolle und unterhaltsame Live-Band sind?

Hierzulande noch eher unbekannt, erhielten sie 2016 mit ihrem dritten Album „Goodness“ doch eine grössere Medienpräsenz und breitere Fanbasis. Zu Recht, ist die Scheibe doch ein wundervoll mitreissendes Werk voller melancholischer Lieder mit wilden Ausbrüchen und Gesängen zum Verlieben. Und genau diese Stärken spürte man auch bei diesem Auftritt von Beginn an. The Hotelier stürzten sich voller Spielfreude in ein Set aus alten Lieblingen wie „An Introduction to the Album“ und neuen Sonnenstrahlen wie „Piano Player“. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang aus bis zu drei Kehlen – der selbsternannte Anti-Pop führte das Publikum durch sanfte, amerikanische Kompositionen, frechen Auswüchsen des College-Punk bis zu Höhepunkten, die auch im Post-Hardcore passen würden.

Sänger und Bassist Christian Holden überzeugte nicht nur mit emotionalem Gesang und Geschrei, sondern auch mit lockeren Ansagen und netten Anekdoten. Dies liess die Musiker untereinander Schabernack treiben und in der vordersten Reihe der Besucher wurde laut mitgesungen und das Bier geteilt. Die gute Stimmung, welche zwischen The Hotelier und Crying auf dieser Tour herrscht, übertrug sich sofort auf alle Anwesenden – und bei der Diskussion über Käse brachte die Band das gesamte Werk21 zum Lachen. Da hielt man auch die Trauer von Stücken wie „Your Deep Rest“ mit Freiheitsgefühl aus.

Einen Zustand, den auch Crying als Support in gewisser Weise erschufen. Das Trio, ebenfalls aus den USA stammend, setzte sich mit seiner Musik zwar etwas zwischen die Stühle, war aber nie ohne Reiz. Irgendwo zwischen Power-Pop, technischen Gitarrenmomenten des Metal und Chiptune zuhause, landete man in einer Emo-Welt von Walt Disney. Technisch stark und kompositorisch überraschend, im Gesang leider etwas verwirrend – doch vielleicht lag dies auch nur an der Erkältung, mit der die Sängerin und auch die Schlagzeugerin zu kämpfen hatten. Aber wie auch immer, Emotionen sind und bleiben wichtig – besonders auch in der Musik.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Crying_Dynamo 17_MBohli

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s