Heat – Overnight (2017)

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Heat – Overnight
Label: Topshelf, 2017
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Post-Punk

Auf dieses Album warten nicht wenige, denn bereits mit einzelnen Liedern und Ausschnitten hat die kanadische Post-Punk-Gruppe Heat Journalisten und Hörer begeistert. Und es kommt schliesslich viel zu selten vor, dass ein Debüt so wunderbar und gesamtheitlich ausformuliert ist. „Overnight“ packt düstere Musik am verstaubten Bart und zerrt sie in freundlichere Gebiete. Das Trio aus Montreal begann die Band als Ausrede, um sich zu treffen und gemeinsam zu trinken – doch zum guten Glück ist daraus viel mehr entstanden. Das kumuliert sich nach einer EP nun in einem vollen Werk.

Man sollte sich aber nicht wundern, wenn der erste Durchgang etwas blass bleibt. Die Musik von Heat setzt nämlich nicht auf extreme Höhepunkte, sondern lässt sich die gesamte Scheibe lang Zeit, um mit ihren Eigenarten und versteckter Perfektion zu wirken. „Overnight“ landet irgendwo zwischen Joy Division und Echo And The Bunnymen – ohne die Vergangenheit mit schalem Nachgeschmack zu zelebrieren. Gitarren mit wunderschönen Echos, Läufe, die bei The Cure auch glitzern würden, Shoegaze-Watte im Schlagzeug. Und wenn Susil Sharma seine Mannen in den nächsten, grossartigen Refrain leitet, dann jubelt man. „Sometimes“, „Long Time Coming“ oder jeder andere Song der Platte – je öfter man sie hört, desto mehr liebt man sie.

Die Atmosphäre und Wirkung findet aber nicht nur im New Wave und Post-Punk ihre Heimat, Heat erinnerten mich immer wieder an Midnight Oil. Wie auch bei den Australiern findet man auf „Overnight“ die Leichtigkeit des Pop in mitreissender Rock-Musik und eine genau richtig lakonisch und doch freundliche Stimme. Und plötzlich tanzt man zu einer Scheibe, die alternativen Sound endlich wieder so zelebriert, wie man ihn immer vermisst: Erwachsen, intelligent und mit ausreichend Lebensfreude. Nur die Wahl des besten Liedes bleibt absolut unmöglich, wie beim Lieblingskind.

Anspieltipps:
Sometimes, Cold Hard Morning Light, Long Time Coming

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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