Live: The Flaming Lips, Volkshaus Zürich, 17-01-31

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The Flaming Lips
Support: Georgia
Dienstag 31. Januar 2017
Volkshaus, Zürich

Es hallt nach – am Tag darauf und bestimmt auch noch viele weitere. Das Gefühl der absoluten Glückseligkeit, die kindliche Freude und das Tanzen zwischen Papierschnipseln und Ballons. Vor dir der Weihnachtsmann mit seinen Helfern, hinter dir riesige Fliegenpilze – und rundherum lachende Gesichter. Es war schon im Vornherein klar, dass der Auftritt der amerikanischen Psychedelic-Rock-Band The Flaming Lips nicht ein normales Konzert werden würde – was aber hier den Zuschauer erwartete, war gänzlich umwerfend. Seit vier Jahren liessen sich die Herren mit ihrem bunten Treiben nicht mehr in der Schweiz blicken – und endlich kam auch Zürich in den Genuss der Drogen-Party.

Was Mitte der Achtzigerjahre in den USA als rumplige und verstörende Band zwischen Garagendreck und Weltraumhalluzinationen begann, fand dank grossartiger Alben und eingängigerem Ansatz in Werken wie „The Soft Bulletin“ oder „At War With The Mystics“ den Höhepunkt. The Flaming Lips wurden mehr als nur eine Kultband, sie wurden eine massenhaft verehrte Truppe, die abgefahrene Musik mit Gimmicks und visuellem Überfluss kombinierte. In den letzten Jahren wandte sich die Musik immer stärker dem bedrückenden Ambient zu, im Volkshaus gab es aber vor allem die grossen Hits und Melodien zu Mitsingen. Bereits mit dem eröffnenden „Race For The Prize“ wurde der Saal mit tausend bunten Lichtern, Konfetti, Ballons, Papierschlangen und Nebel gefüllt. Und ich fühlte mich viele Jahre zurück versetzt.

Seit meiner Ausbildung damals liebe ich Stücke wie „What Is the Light?“, „The W.A.N.D.“ oder „Pompeii Am Götterdämmerung“ – und nun endlich durfte ich diese Emotionen ganzkörperlich erfahren. The Flaming Lips setzen bei ihren Auftritten nämlich nicht nur auf erwähnte Objekte, sondern auch auf eine Flut an Lichtern, LED-Seile, laute Verzerrungen und schrille Synthie-Klänge und auf tanzende, überlebensgrosse Puppen zwischen den Musikern. Als Sänger Wayne Coyne dann zu „There Should Be Unicorns“ auf einem Einhorn auf die Bühne gerollt kam, wunderte sich keiner mehr über das Geschehen. Viel eher liess sich das Publikum zu freudigen Schreien, grossem Applaus und krummen Tanzeinlagen hinreissen. Sei wer du bist, gebe der Welt deine Liebe, geniesse alles gemeinsam. Plötzlich erhielten die merkwürdigen Texte der Lieder eine neue Bedeutung, plötzlich waren alle Probleme weniger schlimm.

Sicherlich kann man sich die Frage stellen, ob die Musik bei einem solchen Brimborium nicht etwas an Wert verliert – doch bei The Flaming Lips ging es schon immer um mehr als das. Kunst darf oder muss verrückt sein, berühren tut sie bei dieser Band immer. Dies merkte manbei  „Feeling Yourself Disintegrate“ oder auch bei der Zugabe „Do You Realize??“, einem grossartigen Song, der dem gecoverten „Space Oddity“ von Bowie in nichts nachsteht. Das Konzert hat sich somit für immer in meinem Herzen eingebrannt und gerne würde ich diesen liebenswürdigen Musikern für immer nachreisen. Diesen Genuss hatte Georgia aus England, sie durfte mit ihrer Mitmusikerin die Konzerte auf der Tour eröffnen. Und die krachenden Songs zwischen Rumpel-Rock und Synth-Rap passten perfekt. Music helps.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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