Live: Gablé, Royal Baden, 17-01-06

Gable_Royal_MBohli

Surrealisten Nacht
Künstler: Gablé, Dadaglobal, The Micronaut, Pixelpunx
Freitag 06. Januar 2017
Royal, Baden

Ein Kopf der Giraffe, vor dir überhaupt existierend. Indianergeheul, irgendwie aus deinem Körper entweichend – das Oberhaupt des Stammes steht erhöht. Anzeichen der Befehle – missverstanden laut herausgeschrien, auffallend ist dies schon lange nicht mehr. Die Zukunft ist zwar nicht vorbestimmt, aber hier ganz klar ausgelegt. Egal was der Narr mit dem Tod macht, flach sind alle und niemand versteht ihre geheime Mimik-Sprache. Aber der Rauch, den spürt man schnell. Noch bevor ELP ihren glücklichen Mann fertig besungen haben, brennt der Kühlturm – Brüste sind anziehend gefährlich.

Dadaistisch dazwischen nach Symbolen von Alejandro Jodorowsky zu suchen, war nicht unsere Aufgabe – vielmehr waren wir die kahlköpfigen Detektive zwischen Wüstenstein und Skorpionenskelett. Das Dröhnen der Bässe, überlagert von handgemachten Melodien und Synthie-Akkorden, dahinter eine Wand aus weissen Kreuzen. Andächtig und ehrfürchtig auch die Königin auf den Stufen. Dadaglobal, lokal und Welten sprengend – aber im Mund doch immer noch der süsse Geschmack des Champagners, gewonnen von niemandem, der dich verbindet.

Vorbei die Gedankenströme, ein Land fällt in seiner Gesamtheit in den royalen Saal und verzaubert mit seinem scheuen Gehabe. Aber Stacheln sind immer dann giftig, wenn die Liebkosung gratis war. Gablé dringen in dein Auge, malen deine Iris regenbogenbunt mit Schwarz an und lassen weder Gitarre noch Schlagzeug unbeschadet zuschauen. Du willst dich in den Wiegungen der Gesangssprache ausruhen, Gabber kennt aber keine Pause. Wo vorhin die Weite das Ziel war, ist nun das Ziel immer weit. Jeder Handgriff bringt neue Überraschungen, immer grösser wird die Begeisterung. Plötzlich sieht man legendäre, pinke Punkte. Viel zu selten lassen sich unsere Synapsen von solcher Energie sprengen – viel zu oft sind die Berge doch zu hoch, um darüber zu hüpfen.

Aber wie auch, wenn man mikroskopisch klein zwischen Plattenteller und Knöpfchenapparatus sitzt. The Micronaut, immerhin wieder so sprechend, dass man keine Handstände machen muss, nistet sich im Dunkeln ein. Der Engel erhebt sich endlich aus dem Schatten und geht auf den Brettern umher. Was wohl alle Serienmörder besänftigt, man fasst sich schier an die Hände. Somit fallen nun auch die letzten Karten aus allen Ärmeln und jeder nimmt für die Schritte in der Kälte eine neue Rolle ein. Pfauenaugen streifen unsere Haare, spitze Hüte lauern in der Erinnerung. Surrealisten lachen.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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