Live: Crystal Castles, Plaza Club Zürich, 16-12-14

Crystal Castles_Plaza_MBohli

Crystal Castles
Support: Farrows
Mittwoch 14. Dezember 2016
Plaza Club, Zürich

Es ist eng, du spürst die Körper der anderen und langsam treibt dir jede Berührung den Schweiss aus dem Körper. Tanzen, springen, nicht denken. Die Augen fast immer geschlossen gibst du dich dem Chaos hin, versuchst erst gar nicht mehr, bei deinen Freunden zu bleiben und hoffst nur, dass dir niemand eine Flasche auf den Kopf schlägt. Vor deinen geschlossenen Lidern brennen sich die Lichter der Stroboskope in dein Gesicht, und immer wenn du aufschaust ist Edith wieder an einem anderen Punkt auf der Bühne. Ethan schaust du lieber nicht an, der sieht unter seinem Hoodie und hinter dem schwarzen Bart gefährlich aus – fast so wild wie die Musik, die dröhnend den Club erfüllt. Fehlen nur noch die Opfergaben – und so etwas an einem Mittwochabend.

Witchhouse, Electro-Punk oder doch Noise-Techno? Was das kanadische Trio Crystal Castles seit 2003 zusammenbraut, wäre früher bestimmt ein Grund zur Menschenverfolgung und Teufelsbeschwörung gewesen. Und wenn sich die Gruppe live dazu hinreissen lässt, ihre Lieder zu einer abendfüllenden Bestie zu formen, dann gibt es nur die Hingabe oder das Einknicken. Erstaunlich, dass der Plaza Club in Zürich von diesem Konzert nicht plötzlich Bauschäden davontrug, denn von der ersten bis zur letzten Minute des Auftritts lärmten Ethan Kath, Christopher Chartrand und die wilde Edith Frances alles nieder, was sich nicht dem Kult ergab. Bekannte Hits wie „Baptism“ oder „Intimate“ mischten sich mit neuen Stücken vom vierten Album „Amnesty (I)“ zu einem Orkan.

Die Musik von Crystal Castles wurde nie geschrieben, um glückliche Pärchen ins Bett zu begleiten – eher, um Beziehungskrisen mit Messern auszutragen. Somit war auch die Darbietung in Zürich mehr Stresstest als Konzert – was zu Beginn des Sets noch für Euphorie und Grinsen sorgte, wurde bald zu einer etwas mühsamen Prozedur. Dank immer wieder aufflammenden Highlights und der Akrobatik von Edith konnte man sich aber doch nicht wegdrehen. Das Schlagzeug und die krachenden Synthies fielen auf die Besucher wie frischer Beton, der verfremdete Gesang liess die Härchen im Ohr glimmen.

Farrows liess dabei mit seinem angenehmen Mix aus härterem Techno und mit Gesang verziertem House die Besucher des Plaza sich noch in Sicherheit wähnen – hier durfte man ohne Gefahren und Verletzungen tanzen. Doch ein solch angenehmer Einstieg war auch nötig, denn wie ein durchgedrehtes Raubtier überfielen Crystal Castles danach den Club. Und das war auch gut so, schliesslich kann man auch am Sonntag noch Tee trinken und diskutieren.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

Farrows_Plaza_MBohli

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