Live: Marillion, Radiant Bellevue Lyon, 16-12-11

Marillion_Lyon 16_MBohli_1

Marillion
Support: John Wesley
Sonntag 11. Dezember
Radiant Bellevue, Lyon
Setliste

Es reicht eine Bewegung mit der Hand, eine klare Geste, und der gesamte Saal bleibt still. Wo sonst lauter Applaus aufbranden würde, herrscht Konzentration und Stille – erneut bewies Steve Hogarth, dass es selten einen Frontmann gibt, der so charismatisch ist wie er. Er leidet mit seinen Charakteren in den Texten, übernimmt für jedes Lied neue Rollen und fordert das Publikum mit seiner direkten und auch gerne frechen Art zur Interaktion auf. Sicherlich, beim letzten Konzert der „FEAR“-Europatour waren die Musiker von Marillion ein wenig ermüdet, Hogarth liess sich dies aber zu keiner Sekunde anmerken. Und auch in Lyon waren wieder alle Augen auf ihn gerichtet.

Mit ihrem neusten Album „F*ck Everyone And Run“ im Gepäck erklommen Marillion mit ihrem spannenden und weltoffenen Art-Rock erneut die Höhen der Szene und konnten grosse Erfolge feiern. Kein Wunder, sind doch Lieder wie „The New Kings“ oder „Eldorado“ einfach nur grossartig. Live laden diese Epen zum Versinken und Davonschweben ein, machen mit den Inhalten und perfekt passenden Visuals nachdenklich – und zeigen das grosse Können der Musiker in der Gruppe. Bereits mit dem eröffnenden „The Invisible Man“ zogen die Herren alle Register und steigerten sich von einem sanft pochenden Stück zu einem wahren Orkan. Ihre ureigene Version von Progressive Rock fesselt immer noch, besonders in einem Land wie Frankreich, in dem die Leute in grosser Zahl zu den Konzerten erscheinen.

Somit war der Auftritt auch von Anfang bis Ende ein gefeierter Abend im packend gefüllten Radiant. Lyon hörte aufmerksam zu, sang bei alten Klassikern wie „Easter“ oder „Kayleigh“ laut mit und war ganz aus dem Häuschen bei Krachern wie „Sugar Mice“ oder „Neverland“. Und gerade diese ausdrucksstarken Lieder, die mit ihren Refrains einem das Herz schier zerreissen, waren auch an diesem Abend das Highlight. Marillion vermitteln mit ihrer Musik ein wunderbares Gefühl und Momente wie „Afraid Of Sunlight“ oder „Sounds That Can’t Be Made“ brennen sich tief im Gedächtnis fest. Und somit spielt es überhaupt keine Rolle wo die Band auftritt, sie sind immer superbes!

Ein etwas anderer, aber trotzdem sehr gelungener Auftritt bot John Wesley als Vorprogramm. Der Gitarrist und Sänger stellte sein neustes Werk „A Way You’ll Never Be“ komplett alleine vor und begann seine Darbietung mit nur einer elektrischen Gitarre bewaffnet. Was bei mir zuerst für Verwunderung sorgte und einige Bedenken hervorrief, wechselte nach ein paar Minuten aber in Entspannung. Wesley liess sich von einem Backing Track begleiten, Schlagzeug, Bass und Keyboards erklangen somit wie von Geisterhand. Eine etwas merkwürdige Entscheidung, dem Herren beim Spielen zuzusehen ist aber immer eine wahren Freude. Besonders mitreissend waren seine akustischen Lieder, hier war die Mischung aus Art-Rock und ergreifenden Texten perfekt.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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