Coroner Rewind – Film-Premiere in Zürich

Coroner Rewind_Riffraff_MBohli

Coroner – Rewind
Regie: Bruno Amstutz und Lukas Ruettimann
Donnerstag 23. September 2016
Riffraff, Zürich

Es war wie ein Familientreffen und nicht selten fühlte man sich wie in einer Szene des soeben gezeigten Filmes mitwirkend. Denn an der Premiere zum neuen Dokumentarfilm „Coroner – Rewind“ waren einige Gäste anwesend, die ihr Gesicht und ihre Meinung im Streifen selber zeigen. So sass man direkt hinter Mitgliedern von Celtic Frost, trank ein Bier mit den Regisseuren oder zwinkerte den Mannen von Coroner auf dem Weg in die Acapulco-Bar zu. Die Vorführung der Geschichtsaufarbeitung der Schweizer Metalband startet den Auftakt zu einer neuen Phase – denn mit Coroner geht es endlich weiter.

Damals in den 90er-Jahren aktiv, war das Trio eine der einflussreichsten und anspruchsvollsten Bands im Gebiet des Thrash Metal. Ihre komplexen Lieder und die progressive Herangehensweise an ein eher eingeschränktes Genre brachte ihnen hohes Ansehen auf der gesamten Welt ein. Max Cavalera, Mille Petrozza oder Mikael Åkerfeldt wurden durch die Alben von Coroner beeinflusst und durften somit auch in „Rewind“ diese Begeisterung auf Film bannen. Wobei die Dokumentation versucht, alle Phasen der Band-Geschichte abzudecken. Somit erfährt man in hohem Tempo den Aufstieg der Schweizer, stürzt mit der Gruppe in die Schlucht der Auflösung und verkürzt die 16 Jahre andauernde Pause auf ein paar Minuten.

Sicherlich ist die klassische Struktur einer Musikdoku etwas schuld, dass „Rewind“ manchmal zu lange in sich selbst gekehrt bleibt. Die Filmemacher und Band selber kratzen bei vielen Themen zu schwach an der Oberfläche und wagen es nicht, komplexere Fragen zu ergründen. Somit wirkt der Film manchmal wie ein lustiges Klassentreffen, ein Bilderbuch oder ein Einführungskurs in die Welt von Coroner. Per se ist dies nicht schlecht, gerade weil auch Abschnitte wie das Comeback 2011 und der nun endgültige Ausstieg von Schlagzeuger Marky Edelmann thematisiert werden. Vielleicht wäre eine Konzentration der Zeit bis 1995 (und dem Erscheinen der abschliessenden Compilation) aber hilfreicher und eleganter gewesen.

Trotzdem, die Zukunft bietet vieles für Tommy Vetterli und Ron Broder – 2017 starten sie mit neuem Schlagzeuger und Album wieder in das Rennen. Audiovisuell darf aber zuerst noch in der Vergangenheit geschwelgt werden – „Rewind“ ist Teil der neuen Rückschau „Autopsy“. Diese Veröffentlichung zeigt auf 3 DVDs und einer LP mehrere Auftritte und Meilensteine im Schaffen von Coroner und beweist damit erneut: Dieses Trio veränderte den harten Metal im Schnellgang und bleibt bis heute relevant. Wer hat’s erfunden?

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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