Live: Intronaut, Shining, Obsidian Kingdom, Werk 21 Zürich, 16-09-20

Intronaut_Werk21_MBohli

Intronaut, Shining, Obsidian Kingdom
Dienstag 20. September 2016
Werk 21, Zürich

Wer glaubte, in den harten Gangarten der Musik bereits alles erlebt zu haben, der kam an den richtigen Ort. Präsentiert von Meh Suff fand am Dienstag im Werk 21 in Zürich ein Abend statt, der so manchen Instrumentenerfinder wohl im Grab toben liess – und das Publikum im Keller klanglich konstant herausforderte. Nicht nur wurden ehrwürdige Genres mit kaputten Ausbrüchen wild gemischt, man fand sich auch in den dunkelsten Ecken wieder. Zum Glück lauerten darin keine Geister, sondern die Experimentierfreudigkeit aus drei Ländern. Etwas nahe am Irrenhaus waren aber vor allem die Herren aus Norwegen – Shining fanden den Weg nach Zürich.

Die Gruppe lässt sich mit zwei Adjektiven gut umschreiben: Herausfordernd und anstrengend. Ihr sogenannter Black Jazz klingt wie ein uneheliches Kind zwischen Nine Inch Nails und Miles Davis, das aber kurz nach der Geburt alleine und zum Verenden bei den Fabelmonstern gelassen wurde. Shining mussten sich somit selber in den dunklen Wäldern zurechtfinden und bastelten überall Fallen, um die verirrten Wanderer grausam zu schlachten. Den Triumph feierten sie immer mit wilden Saxophon-Solos, die sich frech zwischen die krummen Takte und unbarmherzigen Gitarrenschlachten setzten. Im Werk 21 fühlte man sich davon zuerst überrumpelt, dann bezirzt mit einer noch nie gespielten Songpremiere, nur um am Ende in seinem Kopf salziges Wasser vorzufinden.

Obisidian Kingom gingen mit dem Publikum zum Einstieg gemächlicher um, forderten die Besucher aber mit einem achterbahnfahrenden Stilmix. Zwischen Prog Metal, Post-Rock, experimentellen Gitarrensolis und einer guten Portion Melodie aus dem alternativen Rock fand man bei der Truppe die spanische Leichtigkeit und den frisch importierten Sonnenschein aus Barcelona. Die Gitarristin und ihre Mitmusiker nahmen sich den Platz vor der Bühne zu Herzen und füllten ihn nicht nur mit Musik, sondern auch mit sich selber. Trotz der indirekten Lichtshow war man der Band sehr nahe und tanzte in ausdrucksstarker Form. Schade nur, dass nicht alle Genrekombinationen gleich gut funktionieren wollten.

Der Abschluss geriet mit Intronaut dann schon fast konventionell und wunderbar astralnah. Die Gruppe aus Los Angeles breitete während ihrem gesamten Set die Flügel weit aus und liess die Besucher mehr als einmal zwischen den psychedelischen Visuals und mäandernden Songstrukturen davonfliegen. Irgendwo in der fünften Dimension zwischen Progressive und Post-Metal, experimentellen Instrumentalpassagen und durchgedrehten Blasts angesiedelt, liess sich die Gruppe Zeit und Muse – nur um dem Besucher immer wieder die Ohren platzen zu lassen. Schliesslich handelte es sich auch hier um einen abartigen Auswuchs des kranken Metal. Zürich kam somit in den Genuss eines weltenverändernden Dreierpakets, einer Geduldübung zum Abfeiern und einem Konzertabend, der nie vorausschaubar war.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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