Live: Wovenhand, Bogen F Zürich, 16-09-16

Bild von Désirée Graber.

Bild von Désirée Graber.

Wovenhand
Support: Emma Ruth Rundle
Freitag 16. September 2016
Bogen F, Zürich Hardbrücke

Wenn die Naturgewalten so stark an den Stangen und Fellen des Tipis rütteln, dass alles schier über den Köpfen der ehrfürchtigen Zuschauer zusammenbricht, dann mischt sich schnell die Freude mit einer gewissen Angst. Wie hält man das aus, wie überlebt man einen solchen Moment? Einigen wurde diese Wucht aus lauten Tönen, düsteren Farben und ausser körperlichen Gesängen zu viel und der Kulturviadukt liess die verbliebenen Besucher mit mehr Freiraum abdriften. Das Konzert von Wovenhand war nicht nur eine spirituelle, sondern auch physische Erfahrung am Limit.

„Star Treatment“, das neuste Album der amerikanischen Band, war an diesem Umstand nicht unschuldig. David Eugene Edwards und seine vier Mannen zeigten in Zürich, dass hinter dem neuen Werk eine extreme Kraft liegt. Gleich von Konzertbeginn an tauchten sie tief in das Material ein und spielten sich und die Zuhörer auf eine tranceartige Ebene. Mit den krachenden Liedern wie „The Hired Hand“ ergoss sich eine endlose Flut an tiefen Gitarrenmauern, Schlagzeugmassagen und brummenden Bass- und Keyboardklängen in den Bogen. Eine spannende Mischung aus Alternative Rock, Gothic, Country und Stammesliedern wurde immerzu laut und ohne Gnade gespielt. Edwards veränderte seinen Gesang mit viel Hall und versteckte sich somit weit weg.

Nie liess sich klar erörtern, woher die Sätze in die Ohren drangen, der Künstler selber verbarg sich unter seinem Hut mit flatternden Federn. Auch die restlichen Bandmitglieder gingen zwischen roten Lichtern, schreienden Instrumenten und mitreissenden Rhythmen auf. Wovenhand begeisterten auf ihre gnadenlose und vorzügliche Art, liessen Musik zu einem ebenenreichen Erlebnis heranwachsen und verschlugen so manchem die Sprache. Auch wenn es wenige Momente der Ruhe gab und vor allem das neue Schaffen in den Lichtstrahlern erblühte – die Gruppe überzeugte an diesem Auftritt restlos.

Sich danach noch an Emma Ruth Rundle zu erinnern, war nicht einfach. Die Dame aus Los Angeles leitete mit ihrer langsamen und intensiven Musik aber wunderbar in den Abend ein. Zwischen Nebelschwaden, Gitarrenreizen und Streicherbegleitung liess man sich wie bei einer Messe in die Nacht hineintragen – bereit, den Natur- und Musikgöttern seine Seele zu offenbaren und gemeinsam in das Nirvana einzutreten. Wer braucht schon leise Lieder, wenn man sich so in die Musik werfen kann.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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