Live: Wolf Alice, Dynamo Zürich, 16-08-29

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Wolf Alice
Support: Gengahr
Montag 29. August 2016
Dynamo, Zürich

Der Montag ist eigentlich kein geeigneter Tag für ein Konzert in fernen Städten – man muss sich noch vom Wochenende erholen und möchte lieber den Abend auf dem Sofa verbringen. Doch wenn zwei junge und musikalisch interessante Bands rufen, dann nimmt man gerne den Zug nach Zürich. Wolf Alice aus London konnten endlich ihr verschobenes Konzert im Dynamo spielen und lösten bei mir einige Erinnerungen aus – obwohl die Gruppe für mich ein noch unbeschriebenes Blatt war. Denn wie schon 2015 im Bogen F bei Moon King und Alvvays gab es einen Musikabend von zwei Gruppen, die neu unterwegs und klanglich mutig sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die seit wenigen Jahren existieren, wagen Gengahr etwas anderes. Ihre Musik lässt sich nicht klar einem Genre zuordnen und greift ohne Staubwolken bis in die 60er zurück. London war schon immer ein guter Ort für bunten Psychedelic, hier im ursprünglichen Sinne als Syd noch pink war. Gemischt mit viel Gitarren, einem einlullend hohen Gesang und verträumten Akkorden sind ihre Stücke überraschend angelegt und kompositorisch interessant. Die kurze Spielzeit ihres den Abend eröffnenden Konzertes füllten sie mit Stücken von ihrem Debüt, wagten sich aber auch an neue Lieder. Egal ob sich ihr Name von einem Pokémon ableitet, diese Herren sollte man im Auge behalten.

Wolf Alice stürzten sich gleich darauf in die Noten und Saiten und schlugen dabei einen komplett anderen Weg ein. Lauter, wilder und vor allem zwischen 1990 und 2000 am Pendeln. Da soll noch einer sagen, für Grunge benötige man ein Holzfällerhemd – viel Liebe für emotionale und krachende Musik reicht auch. Wäre auch schade, Sängerin Ellie Rowsell hinter einem Karomuster zu verstecken. Lieber lauscht man ihrem Gesang, der sich immer wieder feenhaft und mit Effekten verziert zwischen wirbelnden Trommeln und tanzbaren Bässen durchschlängelt.

Mit grossen Refrains, Folk-Neigung und doch der jugendlichen Lust zum Pop zeigten Wolf Alice, dass sich Stilrichtungen modern zu neuen Kindern der Euphorie vermengen lassen. Das Publikum dankte diesem Abenteuergeist mit lautem Jubel im gut gefüllten Saal. Ob Rock’n’Roll oder sanfte Umarmung, nach diesem Auftritt ging man heiss in die Nacht hinaus – und sah lächelnd zu, wie die halbe Band kopfüber in die Limmat tauchte. So hält man sich und die Rockszene frisch.

Dieser Text erschien zuerst bei Artnoir.

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