Live: Zürich Open Air – Tag 3, Rümlang, 16-08-26

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Zürich Open Air
Tag 3: Freitag 26. August 2016
Rümlang, Zürich

Und plötzlich funktioniert es. Die Leute haben für diese Woche genügend gearbeitet, das Bier fliesst die entspannten Kehlen herunter, die Besucherzahlen steigen. Was für zwei Tage eher ein kleines Dorffest war, wird nun zu einem Festival, wie man es kennt. Ausser dem Umstand, dass die Zuschauer weiterhin lieber frisch gestylt herumstehen anstatt mit den Bands zu feiern. Eigentlich unverständlich, denn was am Freitagabend des ZOA gezündet wurde, war musikalische Sonderklasse.

Sicherlich machten es nicht alle Acts dem Publikum einfach – besonders hervorheben muss man hier Róisín Murphy mit ihrem Theater-Electro-Pop. Avantgardistisch und komplex winden sich ihre Lieder zwischen den Bierständen, eine simple Refrain-Zelebration ist nur beim Moloko-Klassiker „Bring It Back“ möglich. Aber was die Frau an Kompositionen und Kostümwechseln zeigt, ist atemberaubend. Vielleicht nicht die richtige Band für einen solchen Abend, aber eindeutig die interessanteste. Wobei auch Soulwax zuvor aufzeigten, dass man nach 20 Jahren immer noch zu überraschen weiss.

Die Belgier zeigten sich mit drei Schlagzeugern, wuchtigen Beats und mitreissenden Rhythmen – eine schier tribalistische Messe für alle Tanzverrückten. Nachdenken konnte man schliesslich später, denn der Headliner des Abends war mit Massive Attack nicht nur klangtechnisch gross, sondern verband erneut aktuelles Weltgeschehen mit genialem Trip-Hop. Auf der Leinwand erschienen soziale Fragen, politische Botschaften und ein Aufruf, die Welt gemeinsam toleranter zu gestalten. Bei „Eurochild“ wurde die Bühne in blau-gelb getaucht, „Angel“ riss uns alle mit erschütternden Bässen in den Untergrund. Danach war alles plötzlich unwichtig.

Nicht ganz so bedeutsam, aber dafür mit einer wunderbaren Setliste zeigten sich die Hamburger Tocotronic am Nachmittag im heissen Zelt. Ihr poetischer Rock verband kryptische Texte, Liebesbotschaften und Gitarrenangriffe. Auch Editors wussten mit ihrer Mischung aus tiefmelancholischen Melodien, Beats und dem grossartigen Gesang von Tom Smith zu überzeugen. Ihre neusten Alben sind zwar eher durchschnittlich, gemischt mit alten Hits konnte die Gruppe aber die Nacht verzaubern. Mehr als Miike Snow, der vor allem gegen die Hitze und den leeren Platz ankämpfte. Alles in allem war der Freitag somit der bisher beste und musikalisch überzeugenste Tag – so kann es weitergehen.

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