Live: Zürich Open Air – Tag 2, Rümlang, 16-08-25

Bild von Kathrin Hirzel

Bild von Kathrin Hirzel

Zürich Open Air
Tag 2: Donnerstag 25. August 2016
Rümlang, Zürich

Irgendwie ist der Wurm drin – denn auch am zweiten Festivaltag will das ZOA (wie man es heute so modisch abkürzt) nicht greifen. Im Vornherein jubelte ich aber über die Liste mit all den Bands, jeder Tag schien nur aus Highlights zu bestehen. Doch dann ist man vor Ort, versucht sich in Stimmung zu bringen und merkt: Hier klappt gar nichts. Weder die Organisation, die Stimmung noch die Musik. Man kämpft sich zwischen gelangweilten Menschen über den Rasen, findet keine Sitzplätze und bezahlt einen Reichtum für Ernährung. Und wenn dann endlich eine dieser gross angekündigten Bands die Bühne betritt, dann bleibt die Menge stoisch und bricht höchstens bei den Hits aus.

Aus diesen Gründen wollte bei mir dann auch selten die Begeisterung den Körper verlassen. Sicherlich, der Abschluss mit dem sicheren Wert aus Island war wie immer wunderschön und intensiv. Da vergass man fast, dass Sigur Ros den Konzertbeginn komplett verhaut haben. Reduziert auf elektronische Samples glichen sie ihre Musik als Trio dem Festival-Grundton an – und setzten es in den Sand. Glücklicherweise wurden dann doch noch Saiten und Felle ausgepackt und man schwebte nach Hause. Bei den anderen Künstlern schwebte aber vor allem die Enttäuschung über den Basswellen. So musste man erneut feststellen, dass The Chemical Brothers ihre Zeit schon lange verlassen haben. Was in den 90ern noch der Wahnsinn war, ist heute eine statische und langweilige Synth-Messe.

Da macht es schon mehr her, wenn ein Musiker alleine auf der Bühne seine Lieder bestreitet. Star der Stunde, Jack Garratt, versuchte es an Keyboard, Drum-Computer, Schlagzeug, Gitarre und Gesang – alles vermengt in modernem R’n’B-Pop. Eigentlich sehr spannend und immer wieder mal beeindruckend, doch alles ein wenig zu beherrschen reicht nicht aus. Andere Loop-Künstler geben da mehr her, das Cover von „The Fresh Prince“ war aber perfekt. Einen Zustand, den Amy McDonald mit ihrer offenen und sympathischen Art auch zu erreichen versuchte, die Besucher liessen sich aber selten zu wirklichem Jubel hinreissen. Da halfen auch Konfettikanonen und Welthits nichts. Trotzdem, angenehmer Country-Pop von einer starken Dame – nur leider etwas zu eintönig.

Mit der Monotonität musste auch Dua Lipa kämpfen, die junge Sängerin zeigte viel Potential, die Lieder wussten dies aber nicht auszuschöpfen. Etwas merkwürdig in Nachthemd und Springerstiefel gekleidet, eröffnete sie meinen Donnerstag. Solch elektronischen Pop gibt es aber leider schon zu oft, das machen andere besser. Wie auch Festivals organisieren – aber vielleicht können ja die wahren Wochenend-Tage den Anlass noch retten. Wir werden sehen.

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