Live: Animals As Leaders, Dynamo Zürich, 16-07-28

Bild von Kathrin Hirzel.

Bild von Kathrin Hirzel

Animals As Leaders
Support: Intervals, Plini
Donnerstag 28.07.2016
Dynamo, Zürich

Als ich heute Morgen aufgewacht bin, war mein Kopfkissen voller tiefschwarzer Flecken. Eine überhastete Kontrolle meiner Ohren brachte nicht nur Sicherheit, sondern auch die Gewissheit, dass sich instrumental gespielte Noten materiell manifestieren können. Wer aber Konzerte hochtechnischer Progressive Metal-Bands besucht, für den sollte dies nicht verwunderlich sein. Denn was sich jüngst im Dynamo in Zürich abspielte, verliess die normale Umgebung eines Rockkonzertes. Animals As Leaders bestiegen mit ihren Freunden Intervals und Plini die Saalbühne und zeigten Unvorbereiteten, dass Aufgeben manchmal einfacher ist.

Denn wer beim extrem sperrigen und technischen Prog Metal von Animals As Leaders den Anschluss nicht findet, der wird sich wohl eher klammheimlich vom Konzert entfernen, als über eine Stunde lang dem technischen Gefummel zuzuhören. Dabei steckt hinter dem rasend schnellen Abgreifen der Saiten und dem Schlagzeugspiel eines Derwischs mehr als nur Muskelprotzerei. Das Trio lockte die Geister immer tiefer in ihre Unterwelt und präsentierte Prog, der extrem durchdachtes Songwriting und düstere Tendenzen aufwies. Die Lieder pendelten zwischen Shredding und doch wieder melodiös erscheinenden Öffnungen. Wer Dezimalgleichungen im Tesserakt gelöst hat, für den werden auch solche Auftritte zu einem analytischen Klacks.

Extrem verwunderlich ist dabei, wie die Musiker von Animals As Leaders diese gewaltige Klangmenge ohne Missgriffe oder grobe Fehler spielen können. Wie ist es nur menschenmöglich, eine solch komplexe Anordnung aus Rhythmen und Noten so locker darzubieten? Und wer dachte, drei Bands aus dem gleichen Genre sind für einen Abend zu viel, dem bewies der Headliner, dass eine Steigerung immer möglich ist. Denn Intervals und Plini waren zwar genauso abgebrüht und durchgeknallt, bei den Strukturen aber noch nicht so ausgereift. Besonders Intervals als zweite Gruppe konnte nicht wirklich mitreissen – vielleicht war ihre Musik einfach zu nahe an der von Plini.

Denn der Australier teilte sich nicht nur mit Aaron Marshall die Musiker, sondern bewies extreme Bescheidenheit und Ruhe. Er liess die Riffs länger ausklingen und suchte die Atmosphäre. Somit begann der Abend vergleichsweise gemächlich und steigerte sich immer mehr zu einem schier unfassbaren Schwall an instrumentaler Musik von höchster Qualität. Wer glaubt, Progressive Metal muss in der heutigen Zeit immer noch kitschig und melodramatisch klingen, der kriegt hier einen gewaltigen und nachhallenden Schlag auf die Rübe.

Plini_Dynamo_MBohli Intervals_Dynamo_MBohli

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