Live: Steven Wilson, Blue Balls Luzern, 16-07-25

Steven Wilson_Luzern_MBohli_2

Steven Wilson
Support: Zola Jesus
Montag 25. Juli 2016
KKL Luzernersaal, Luzern

Wer hätte gedacht, dass an diesem Montagabend das verbindende Element am Blue Balls Festival in Luzern ein solch kleines sein würde. Es waren nicht der Musikstil oder die Showelemente – es waren nackte Füsse. Fast jedem ist bekannt, dass der Progmeister und gefeierte Musiker Steven Wilson seine Auftritte stets ohne Schuhe abliefert. Doch diese befreite Art des Spielens fand man bereits viel früher beim KKL vor – Pari San aus Berlin zeigten auf dem Vorplatz mehrere Male ihr Können und Parissa Eskandari tanzte mit nackten Sohlen neben Paul Brenning. Dazwischen fand eine spannende Mischung aus Beatbox, Electro und ausdrucksstarkem Gesang seinen Platz.

Ein geglückter Einstieg in den eigentlichen Konzertabend im Luzernersaal, der die Sonnenstrahlen schnell in Vergessenheit geraten liess. Mit Zola Jesus fand eine Gestalt ihren Platz auf der Bühne, bei der man sich ihrer Menschlichkeit nicht immer sicher war. Begleitet von zwei Herren an Synths, Posaune und Trommel erschuf die junge Sängerin eine Art Exorzisten-Pop – direkt am letzten Tag vor dem Weltuntergang gespielt. Düstere Klanglawinen voller geköpfter Beats, rostiger Melodien und über allem Zolas Gesang. Egal ob mit oder ohne Mikrofon, gross auf der Bühne oder erstaunlich klein mitten im eher spärlichen Publikum – ihre Stimme und die treibende Musik überraschten so manchen Prog-Fan.

Dass Zola Jesus barfuss umherkroch musste sein, schliesslich war für Herr Wilson der Teppich bereits ausgelegt. Und der benötigt weder Schuhe noch falsche Tricks, um seine eigene Neugeburt des zeitgenössischen Progs mit voller Bravour aufzuführen. Weiss die Musik des Künstlers seit Jahrzehnten zu begeistern, haben die Liveshows mit dem neusten Album „Hand.Cannot.Erase“ eine neue Ebene erreicht. Fantastische Videountermalung, spannende Lichtspielereien und eine Begleitband, die mit ihrem technischen Können alles in den Schatten stellt. Auch dank der bunten Mischung aus Stücken seiner Soloalben und alten Klassikern von Porcupine Tree erreicht Steven Wilson immer mehr den Zustand des perfekten Konzertes.

Depressive Härten bei „Sleep Together“ oder „Index“ wechselten sich mit melancholischer Schönheit bei „Lazarus“ und „Happy Returns“ ab. Ausufernde Instrumentalpassagen liessen die Besucher genau so platt zurück wie die traurigen Botschaften in Videos und Texten – das Konzert von Steven Wilson war in jedem Belang ein mit- und hinreissendes Erlebnis. Obwohl er sich als Zeremonienmeister und Ansagenkönig etwas zurückhalten und der Screen wegen dem Festival-Logo verkleinert werden musste – jeder Besucher verliess den Luzernersaal glücklich und begeistert. Wilson bewies erneut, dass er im Art-Rock und Prog zurecht einem Gott gleicht.

Steven Wilson_Luzern_MBohli_1 Zola Jesus_Luzern_MBohli Pari San_Luzern_MBohli

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