Kai Reznik – Scary Sleep Paralysis (2015)

Kai Reznik - Scary Sleep Paralysis

Kai Reznik – Scary Sleep Paralysis
Label: Atypeek Music, 2015
Format: Download
Links: Bandcamp, Künstler
Genre: Electronica, Experimental

Wer seit den 80er-Jahren in Frankreich als Musiker bekannt ist, der sich in Stilen wie New Wave oder Grunge austobt, von dem erwartet man als erste Soloveröffentlichung bestimmt keine elektronische Spiessrutenläufe. Trotzdem, Kai Reznik zeigt auf „Scary Sleep Paralysis“, dass er mehr kann als wilde Gitarrenriffs und lärmende Rocksongs. Zusammen mit Sasha Andrès, Sängerin der Band Heliogabale, bietet seine erste EP während fünf Songs Ausflüge in die digitalen Experimente und Klangschöpfungen voller Nullen und Einsen.

Eröffnet wird „Scary Sleep Paralysis“ mit fremden und wilden Synthsequenzen, die gleichzeitig die Zukunft darstellen, aber aus einer vergangenen Sicht. „Blade Runner“ auf Acid, Jean Michel Jarre im LSD-Wahn – in jeder Ecke piepst und flackert etwas, Beats holpern zwischen die Melodien. Plötzlich driftet alles in Richtung 8-Bit ab, verwirrt die Ohren und dreht mit hohen BPM-Zahlen durch. Der Zugang zur Musik von Kai Reznik wird alles andere als einfach gestaltet – wer sich nicht gerne konzentriert mit elektronischen Stücken auseinandersetzt, der wird hier schnell vor den Kopf gestossen. „The Recognizer“ dreht einem einen schrillen Bohrer in die Backen, gleitet dann auf dem Light Bike aus „Tron“ über weite Steppen. Die Musik kann sich dabei nicht immer entscheiden, ob sie nun lieber im Ambient oder der abstrakten Electronica zu Hause sein will. Die Songs wechseln ihre Gesichter schneller, als man es nachvollziehen kann und verweigern sich somit der Eingängigkeit. Ich mag solche komplexen Werke sehr, allerdings gerät Kai Reznik auch schnell wieder in Vergessenheit – es will nichts wirklich hängen bleiben. Auch Frau Andrès kann da nicht viel ausrichten, sondern lässt die Musik eher noch verstörender erscheinen.

Kai Reznik wagt vieles und probiert noch mehr aus – ein Umstand der löblich ist und in der Musik oft zu wenig versucht wird. Trotzdem stolpert „Scary Sleep Paralysis“ über sich selber und findet keinen wirklichen Zusammenhang. Die EP funktioniert an einzelnen Stellen grossartig und überrascht immer wieder, lässt aber nie Euphorie ausbrechen. Ob die Musik nun Schlafstörungen auslöst oder behandeln soll, für angenehme Stunden bietet sie sich leider nicht an. Zu verfahren und verwirrt wirken die Kompositionen – hier wäre eine Reduktion aufregender gewesen.

Anspieltipps:
The Recognizer, Monster5, Nails & Crosses

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