Live: Jean-Michel Jarre, Montreux Jazz Festival, 16-07-11

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Jean-Michel Jarre
Montag 11. Juli 2016
Stravinski Auditorium, Montreux

Erste Direktive: Lebendiges Fleisch und analoge Technologie werden nicht mehr unterschieden. Was als unüberwindbare Grenze lange Zeit die Gesetze beherrschte, ist nun ein neues, komplettes Dasein. Der Verbund zwischen erzeugten Lauten aus digitalen und fassbaren Geräten sowie der visuellen Bewusstseinsveränderung ist vollkommen und perfektioniert. Fehler oder unbekannte Abläufe werden nicht ermöglicht, aber auch nicht ersucht. Im Zentrum des Lichts steht zwar weiterhin eine Figur – hier der französische Musiker Jean-Michel Jarre – dies dient aber nur der Sicherheitskomponente der Zuschauer.

Zweite Direktive: Dem Zeitstrahl ist keine Beachtung mehr zu schenken. Die Unterscheidung bereits passierter Momente und noch kommenden Möglichkeiten findet sich neu als Konstante im Jetzt ein. Dieser Zustand erstreckt sich nicht mehr über Minuten, sondern umfasst die Jahrzehnte gleich wie Nanosekunden. Dies ermöglicht es der Unterhaltungsabteilung Lieder zu präsentieren, die früher nach Alben wie „Oxygène“, „Equinoxe“ oder „Chronologie“ indexiert wurden. Jetzt fällt diese Performance punktgenau zwischen Beiträge aus „Electronica“ beider Teile. Die Befriedigung wird ein kollektives Gefühl, der Ausschluss fällt weg.

Dritte Direktive: Modeströmungen werden auf eine neue Weise gleich stark ignoriert wie vereinnahmt. Um die Reizbarkeit der bevölkerungsstatistischen Werte zu testen, werden an verschiedenen Punkten Elemente integriert, die nicht vorhersehbar sind. Was als Goa, harter Techno oder verspielte Electronica in den Kategorien abgelegt wurde, lässt sich hier neu überdenken. Gemäss den positiven Reaktionen im bespielten Auditorium geht die Zentrale davon aus, dass diese Wandlung geglückt ist. Laute Bassklänge, das Spiel mit der Laserharfe und die klaren Melodien erreichten die gewünschten Werte auf der Skala.

Vierte Direktive: Das Fehlen der wirklichen Gäste wird gleichwertend durch digitale Projektionen kompensiert. Instrumentale Passage und ein Verzicht auf lange Ansprachen zwischen den Liedern vermindern die Gefahr einer Unachtsamkeit beim geladenen Publikum. Erwünschte Wirkungen in den Synapsen greifen Fuss bei anhaltender Hochleistung von Musik, Projektionen, Lasershow und Lichtstrahlen. „Exit“ mit Edward Snowden brachte die Wucht, „The Time Machine“ und „The Heart Of Noise“ die Sphären. Der Bericht kann somit mit einer positiven Rückmeldung geschlossen werden – Jean-Michel Jarre kann seine Position in der Abteilung der elektronischen Legenden behalten. Die weiteren geplanten Feldversuche werden ohne Pause durchgeführt.

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