Live: Bad Bonn Kilbi, Düdingen, 16-06-04

Bad Bonn Kilbi 16_4

Bad Bonn Kilbi
Samstag 04. Juni 2016
Bad Bonn, Düdingen

Es zeugt von viel Vertrauen und Liebe, wenn ein drei Tage andauerndes Festival innert weniger Minuten ausverkauft ist – und dies bei einem Line Up, das bei den normalen Musikkonsumenten nur Fragezeichen entstehen lässt. Die Bad Bonn Kilbi in Düdingen feierte auch in ihrem 25. Jahr die Musik in reiner Form und schier unzähligen Variationen. Abgelegen in einem kleinen Dorf, aufgebaut mit viel Leidenschaft und allen Frechheiten des Wetters trotzend ist die Kilbi ein wahres Mekka für Klangforscher – und endlich habe auch ich es geschafft, wenigstens für einen Tag dem Treiben beizuwohnen.

Die Kilbi hat sich in den letzten Jahren auf drei Bühnen ausgeweitet, bleibt aber weiterhin ein familiäres Fest mit wenigen Tausend Besuchern. Auf dem Gelände und während den Konzerten hat man immer Platz, kann sich ungehindert bewegen und verpasst somit keinen Künstler. Da sich die Hauptbühnen in Zelten befanden und das Bad Bonn als kleine Nebenbühne benutzt wurde, war auch der immer wieder fallende Regen kein Grund für schlechte Laune. Mit leckerem Essen und genügend Getränken versorgt, wurden alle Besucher in ein Nirwana der abenteuerlichen Musik gelassen. Egal zu welcher Modeströmung man sich zählt, an der Kilbi findet man Überraschungen.

Glückselige Hipster taumelten nach dem Konzert von Odd Beholder aus dem Haus, nur um gleich von dem gnadenlosen Rock von Metz in die Mangel genommen zu werden. Die Turnsäcke wurden zerfetzt, die Wandbehänge von den Leibern gerissen – hier geht es um die Gegensätze der Musik, nicht um den Style. Schliesslich erlauben nur geistige Verrenkungen den vollen Genuss von Manuel Trollers Gitarrengeistereien, dem kaputten und gnadenlosen Post-Noise-Punk von Protomartyr oder der perkussiven Attacken von Ninos Du Brasil. Da war der betrunkene Indie-Punk von Beach Slang schon fast normal, nahmen sich doch auch die Bandmitglieder nicht allzu ernst.

Die Ernsthaftigkeit fand man bei den hochkarätigen Musikern von Kamasi Washingtons Truppe wieder – Jazz und Funk für die Götter. Figuren, die auch Ash Ra Tempel mit einer Sonderbesetzung besuchten – Krautrock mit viel LSD-Einfluss, Tonwellen für lange Nächte und Astralreisen. Auch 44 Jahre nach ihrer Komposition beinhalten diese Lieder noch viel Wucht. Härter schlugen nur Sister Iodine an die Köpfe der Besucher, Noise-Doom auf kleinstem Raum und eine Energie, die Savages als Frauentruppe übernahmen und auf der Hauptbühne toben liessen. Was nach wenigen Sätzen schon fast zu Schwindel führt, war als Festivalabend unglaublich vielfältig und eindrücklich. Die Bad Bonn Kilbi hat zu Recht einen grossartigen Ruf und zeigte auch im Jahr 2016 auf, dass ein Anlass auf wahre Musikwerte setzen kann und damit nur gewinnt.

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