Live: Motorpsycho, Fri-Son Fribourg, 16-05-06

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Motorpsycho
Support: Puts Marie
Freitag 06. Mai 2016
Fri-Son, Fribourg

Mit Musik versucht man eine Geschichte zu erzählen, den Zuschauer und Zuhörer zu bannen und ihm etwas mitzugeben. Um dies zu erreichen, gibt es diverse Herangehensweisen – im Fri-Son in Fribourg zeigten sich am Freitagabend zwei Varianten, die alles andere sprengten. Wer sich in den Club wagte, der wurde eine Nacht lang von lauten Eruptionen der Rockmusik gefangen genommen und nicht immer sanft zum Glück geführt. Wenn aber drei Halbgötter auf der Bühne stehen, dann kann es nur eines der besten Konzerte im kurzen Leben eines Menschen werden: Motorpsycho machten endlich wieder Halt in der Schweiz.

Seit 1989 begeistert die Band aus Norwegen die Welt, und zementiert mit jeder Veröffentlichung und jedem Auftritt ihren Ruf und Status. Wenn Motorpsycho auf der Bühne stehen, dann wird alles andere irrelevant: Egal, dass es auf diesem Planeten noch weitere Musiker gibt; es ist sinnlos über Probleme und Sorgen nachdenken zu wollen; vergeblich der Versuch, klare Gedanken fassen zu wollen. Bei ihrem Konzert, welches in den Samstag hinein dauerte, überwältigten sie Musiker ihre Gäste mit einer überdimensionalen Ausgeburt des schweren Rocks. Der Auftritt startete langsam wälzend und psychedelisch, näherte sich immer wieder mal dem Heavy Jazz und verlor sich auch gerne im Bereich des kräftigen Prog. Wenn Led Zeppelin und Pink Floyd damals ein Kind gezeugt hätten, es würde in seiner rebellischen Phase so klingen.

Extrem kräftige Gitarrenriffs trafen höchst präzise auf grummelnde Basspedale, der schmächtige Kenneth Kapstad forderte alles aus seinem Schlagzeug heraus. Es ist immer wieder erstaunlich, dass solch volle und hypnotische Musik von nur drei Mannen gespielt werden kann. Wenn die Herren Bent Sæther und Hans Magnus Ryan gesanglich auf Abenteuerfahrt gehen, dann werden irgendwo bestimmt Katzen ermordet – doch dieser Umstand kann den Erfolg nicht trüben. Motorpsycho fordern heraus und giessen Lebensfreude in lange Lieder voller faszinierende Rhythmen und Melodien. Ob „Cloudwalker“, „Running With Scissors“ oder „The Alchemyst“ – man konnte sich nicht mehr von der Bühne wegdrehen und ging in der Musik auf. Jeder Mensch sollte einmal in seinem Leben Motorpsycho live erlebt haben – nur dann ist er dem Nirwana einen wichtigen Schritt näher.

Puts Marie aus Biel wagten aus erzähltechnischer Sicht einen anderen Ansatz. Die verschrobene Gruppe liess sich von Tom Waits und dEUS beeinflussen, um mit viel Sprechgesang und Lärm-Attacken halbe Hörspiele auf die Bühne zu bringen. Ihre Lieder waren manchmal etwas sehr überfrachtet, überraschten und gefielen aber immer. Gegen Ende ihres Sets driftete die Gruppe sogar in Richtung Hip-Hop, allerdings mit zerrissener Kleidung und verdreckten Tags an zerfallenen Wänden. Eine waghalsige Mischung, als Vorband zu Motorpsycho aber genau richtig durchgeknallt.

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