Jóhann Jóhannsson – Sicario OST (2015)

Jóhann Jóhannsson - Sicaro OST_MBohli

Jóhann Jóhannsson – Sicario OST
Label: Varèse Sarabande, 2015
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Soundtrack

Der Krieg gegen die Drogen ist hart und erbarmungslos. Wenn sich Polizei und Gangs Gefechte liefern, dann verlieren meist beide Seiten und die gesamte Umgebung. Dieses Thema als Film aufzuarbeiten setzt somit voraus, dass es bestimmt keine lockere Unterhaltung wird. Und wenn Denis Villeneuve auf dem Regiestuhl sitzt, erwarten den Zuschauer sowieso gnadenlose Bilder. Wunderbar, dass diese Wirkung durch den genialen Score von Johan Johannson noch verstärkt wird – „Sicario“ ist keine gemütliche Musik.

Konstant dröhnen Bässe, das Orchester schwillt an und man hat das Gefühl, alles breche in wenigen Sekunden gleich zusammen. Doch hinter diesen mysteriösen und unfreundlichen Strukturen lauert eine interessante und vernarbte Schönheit. Johannsson setzt immer wieder auf einen heftigen Aufbau, mit grossartigen Laut-Leise-Wirkungen und Klängen, die auch in Horrorfilmen nicht falsch wären. Man wird gefesselt, muss wehrlos anhören, wie elektronische und analoge Töne miteinander Rringen. Perfekt auf die Spitze treibt es der Künstler bei „Tunnel Music“ oder „The Beast“ – solche Lieder will man nachts nicht alleine anhören. Wie auch der Film ist der Soundtrack eine Reise ohne Pause, atmen kann man erst, wenn das Album durchgehört ist. Einzelne Streicher oder Bläser wähnen einen in Sicherheit, könnten aber auch Feinde sein. „Sicario“ ist Filmmusik, die konstant in den Schatten herumschleicht und dabei an Metallplatten kratzt. Das ist erfrischend anders und perfekt durchdacht.

„Sicario“ ist reine Atmosphäre. Man fühlt sich durch den Soundtrack sofort an einen anderen Ort versetzt und erhält die brutalste Seite von Ambient. Johan Johannsson vermochte es nicht nur, diesen Stil mit dem Orchester zu vermengen, sondern erschuf mehr als nur ein Kind beider Welten. Ein Experiment das perfekt aufging, ein Score der genau so stark beschäftigt wie der dazugehörige Film – einfach nur schaurig schön.

Anspieltipps:
The Beast, Melancholia, Tunnel Music

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