Haken – Affinity (2016)

Haken - Affinity

Haken – Affinity
Label: Inside Out Music, 2016
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Metal

Hat eigentlich jemand mal alle einzeln gespielten Noten auf einem Prog-Metal Album gezählt? Was Musiker wie die Leute bei Haken abliefern, das streift oft schon die Grenze zum Wahnsinn. Abfolgen, Akkorde und Griffbretter werden bearbeitet und abgegrast. Was dadurch schnell zu einer mühsamen Fingerübung ausarten kann, wird auf „Affinity“ zum Glück kontrolliert und perfekt durchdacht abgeliefert. Das neuste Album der Gruppe aus London mischt emotionale Musik mit technischer Präzision und landet gleichwertig im Herzen wie im Kopf.

Eigentlich ist dies eine unmögliche Aufgabe, doch Haken erreichen ihr Ziel bei weitem. Denn obwohl „Affinity“ musikalisch durch diverse Stile und Zeitebenen springt, fühlt sich alles kohärent und logisch an. Bestes Beispiel ist das Highlight „1985“, ein Lied wie ein Lehrstück über die Szene des Progrock in den Achtzigern. Ausbrüche wie bei Dream Theater, Riffs von King Crimson und wunderbar kitschige Synths, die auch Yes nicht abgelehnt hätten. Diese Zitate breiten Haken auf das gesamte Album aus und vermengen Djent und technischen Metal mit schwelgerischem Art-Rock und unwiderstehlichem Gesang („Earthrise“). Vom Headbangen zum frenetischen Jubel, eine Musikwelt zusammengefasst auf einem Album. Mit dem Longtrack „The Architect“ streifen sie durch die Strassen von TesseracT und Co., die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft wird perfekt und beschert dem Hörer eine faszinierende Gegenwart. Haken entfernen sich mit „Affinity“ zwar etwas von ihrem bisherigen Schaffen, erreichen aber eine zeitgemässe und packende Musik. Das Album fordert mit all seinen Ideen und Wechseln, wirkt aber immer homogen und belohnt den mehrmaligen Genuss. Denn die Lieder öffnen sich, offenbaren tiefe Ebenen – und auch wieder: Growls.

Mit „Bound By Gravity“ schliesst „Affnity“ wunderbar melodisch, freundlich und ermunternd. Ein Zeichen, dass Haken trotz ihrer Härte und instrumentalen Technikschau immer noch Musiker mit viel Gefühl sind. Sie haben mit dem neusten Werk einen packenden Schritt in neue Gebiete gewagt und zeigen auf, dass sich eine Band ohne Verlust ihrer Identität dem Zeitgeist anpassen kann. Mit diesem Album haben sie keinen zweiten Berg erschaffen, sondern eine wunderschöne Insel im Meer des musikalischen Vermächtnisses.

Anspieltipps:
1985, The Architect, Bound by Gravity

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