Live: Gilberto Gil & Caetano Veloso, Kongresshaus Zürich, 16-04-30

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Gilberto Gil und Caetano Veloso
Samstag 30. April 2016
Kongresshaus, Zürich
Bilder: Juliana Kaldowski

Die Welt ist gross – dieser Gedanken wird einem immer wieder bewusst, wenn man plötzlich wichtige Persönlichkeiten und Musiker kennen lernt, von denen man noch nie gehört hatte. Somit musste ich erst in Italien das Konzert einer irischen Band besuchen und dort ein Paar aus München kennenlernen, um mit den neuen Freunden ein halbes Jahr später in Zürich zwei Legenden aus Brasilien bestaunen zu dürfen. Caetano Veloso und Gilberto Gil verzaubern die Welt seit mehr als 50 Jahren mit ihrer Musik und sind bis heute die wohl wichtigsten Künstler in Brasilien. Mit ihrer kurzen Europatournee bringen sie ihre wunderbaren Lieder noch einmal um die Welt – eine beachtliche Leistung, wurden beide Herren doch bereits 1942 geboren.

Doch Musik überwindet schliesslich nicht nur Grenzen, sondern auch die Zeit. Schnell vergass man während des Auftrittes, dass die Künstler eigentlich alt sind und man solche Vorstellungen eher von jüngeren Musikern erwartet. Natürlich wurden die knapp 30 Songs mit nur zwei akustischen Gitarren und dem wunderbaren Gesang von Gil und Veloso vorgetragen, doch in ihrer Wirkung waren die Stücke wie „Super Homem“ oder „A luz de tita“ grösser als der Saal des Kongresshauses. Mit viel Witz, Lebensfreude und Gelassenheit erlebte ich Hits und Klassiker aus Brasilien – Lieder, die aus dem Tropicalismo geboren wurden und somit Folk, Rock und Pop mischen. Heruntergebrochen auf nur zerbrechliche Melodien und starke Stimmen wurde aus den Liedern eine Reise durch politische und soziale Themen, Länder und Lebenswendungen.

Sicherlich, ich verstand die Texte leider nicht – somit wurde mir ein grosser Teil der Musik verwehrt. Doch Botschaften werden nicht nur über Worte transportiert. Stücke wie „Terra“ berührten mich mit ihren wunderschönen Harmonien und den tollen Arrangements. Emotion und Ausdruck formten sich durch die zwei Gitarren, welche sich wie Pflanzen ineinander verästelten und sich gegenseitig ergänzten. Auch stimmlich stützten sich die beiden Legenden – in der zweiten Hälfte übernahm dann Gil von Veloso das Zepter. Egal ob getrennt oder zusammen, die Musik war wundervoll anders und begeisterte das Publikum von Beginn an. Es wurde mitgesungen, getanzt und geklatscht – egal ob man nun aus Brasilien oder der regnerischen Schweiz stammt. Dies verführte Caetano Veloso und Gilberto Gil sogar zu einer kurzen Tanzeinlage – herrlich.

Offen und bereit für Experimente, mit einer solchen Einstellung erlebt man immer wieder Überraschungen – wie auch einen Abend mit Legenden von fernen Kontinenten. Ob Bossa Nova, Samba oder doch traditionelle und volksnahe Stücke – Brasilien kennt wichtige Figuren und Botschaften. Wenn sich aber zwei geniale Musiker zusammenschliessen und die Menschen berühren, dann hat dies mehr Kraft als jede Revolution.

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