Coldplay – A Head Full Of Dreams (2015)

Coldplay_Head Dreams

Coldplay – A Head Full Of Dreams
Label: Parlophone, 2015
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Pop

Manchmal will man noch eine Ehrenrunde drehen, sich noch einmal allen zeigen, hat doch noch einen letzten Gedanken, den man mitteilen muss – und manchmal hört man einfach zu spät auf. Sicherlich ist es ja eigentlich löblich, dass sich Coldplay bei ihrem letzten Album nun etwas aus der Trauer und Melancholie lösen können. Aber musste dies unbedingt auf Kosten des künstlerischen Anspruchs geschehen? Oder wurde ihnen zuerst das Cover vorgelegt, und die Musiker mussten ihre Lieder dann der bunten Collage anpassen?

Wie das Album klingt, das wissen wohl alle. Die Vorabsingle „Adventure Of A Lifetime“ tötete effizient via Radioübertragung und Stream tausende von Nerven und Launen. Das Lied bewegt sich so billig in fröhlichem Pop, dass man der Band am liebsten die klimpernden Gitarren und Hintergrundgesänge in den Rachen stopfen würde. Aber natürlich hört sich nicht alles so schlimm an, wie man nun denken könnte. Sicherlich zeigen Coldplay auf „A Head Full Of Dreams“ grossartig, wie sich eine Band anhört, der nichts Interessantes mehr einfällt. Einfache Ideen werden mit vielen Mittel der Produktionskunst aufgeblasen, Gesangsmelodien sind fast nervtötend und die Instrumente versuchen sich aus dem Sumpf des Mittelmasses zu retten. Lustig ist bei dieser Platte, dass eigentlich nur die traurig wirkenden Lieder wirklich funktionieren. „Birds“ oder „Everglow“ versuchen die alten Gefühle wieder herbei zu zaubern, scheitern jedoch gegen die Gummibärenübermacht. Wenn sich dann plötzlich noch Gaststars wie Beyoncé oder Barack Obama auftauchen, dann verbiegen sie diese genau so unpassend wie „Amazing Day“. Denn hier nimmt R’n’B überhand und zeigt unweigerlich: Mit diesem süsslichen Werk haben sich Coldplay keinen Gefallen getan.

„A Head Full Of Dreams“ lässt sich anhören, aber nur wenn man durch etwas anderes abgelenkt wird und dabei die schlimmsten Stellen gleich wieder vergisst. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger „Ghost Stories“ ersticken die wenigen Ideen an Lustlosigkeit und Auftragswirkung. Coldplay wollen in Zukunft keine Alben mehr veröffentlichen und verabschieden sich momentan von den Bühnen der Welt – man kann es ihnen nicht verübeln. Die Gruppe wird verloren und energetisch entladen. Schade, ihr Stern schien zu Beginn der Nullerjahre doch so hell.

Anspieltipps:
Birds, Everglow, Colour Spectrum

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