Moderat – III (2016)

Moderat_III_Deluxe_MBohli

Moderat – III
Label: Monkeytown Records, 2016
Format: Box mit 6xLP, 3xCD und Download
Links: Discogs, Band
Genre: Techno, Electro

Bin ich etwa schuld, hab ich meine Erwartungen so hoch steigen lassen, dass ich nur noch enttäuscht werden kann? Oder liegt es doch an den drei Herren hinter den Tischen voller elektronischen Gerätschaften? Dabei stellt dieses dritte Album doch endlich die komplette Verschmelzung von Modeselektor und Apparat dar – endlich wirkt alles grösser als nur eine Sammlung einzelner Teile. Trotzdem, Moderat haben mit „III“ irgendwie Strassenrand statt -Mitte erwischt. Denn nach ihrer zweiten Platte – welche überall wie eine Bombe eingeschlagen hatte – besinnen sich die Musiker auf ihr Erfolgsmittel und bieten vor allem mehr vom Gleichen. Dies ist nicht per se schlecht, will aber hier nicht so richtig zünden.

„III“ beginnt mit einem Beat, der an Burial erinnert – düster, tief und dumpf. Genau so mag ich technoide Musik, man will schliesslich nicht in hellen Räumen umherhüpfen, sondern in dunklen Clubs im Sound versinken. Doch leider hält sich diese Stimmung nicht, denn das Album endet eher in Ernüchterung. Dazwischen findet man neun Lieder, die eindeutig nach Moderat klingen. Sascha Rings melancholischer Gesang begleitet die simplen aber effektiven Beats, geschmückt wird alles mit Synthmelodien und vielen Effekten. Die Lieder der Gruppe versprühen eine komplett eigene Stimmung und man erkennt die Drumpatterns und Arrangements sofort.

Leider begeistern viele Stücke auf „III“ nicht sofort, doch gerade dies sollte bei solcher Musik passieren. Für langes Forschen sind die Tracks meist zu einfach gestrickt. So prallen oft Gegensätze aufeinander: „Ghostmother“ feiert man beim ersten Durchgang stark ab, nach mehrmaligem Anhören wirkt das Lied aber eher schleppend und fad. „Reminder“ hingegen weiss dank dem rollenden Beat und der Sirene wochenlang zu überzeugen. Hier spürt man die Magie es Techno und die Umarmung des Indie. Leider aber sind diese Highlights zu selten, das brodelnde „Animal Trails“ und das knackige „Running“ gehören dazu. Ansonsten verliert sich vieles im Mittelmass.

Sehr gelungen ist hingegen die Deluxe-Ausgabe mit der instrumentalen Bonus-CD und den zusätzlichen Outtakes und Remixes. Über allem strahlen „Fondle“ und „Invaluable Waste From The Outlying Districts“. Letzteres hat einen jammässigen Charakter und zeigt in seiner experimentellen Form schon fast Auswüchse der guten Elektronik zu Zeiten von Krautrock. Der Zusatz zündet also stärker als das Album, welches sich eher in Richtung Langeweile bewegt. „III“ verordnet Moderat somit im oberen Mittelfeld, doch die Spitze von „II“ wird nicht mehr erreicht.

Anspieltipps:
Running, Reminder, Animal Trails, Invaluable Waste From The Outlying Districts

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s