Bloc Party – Hymns (2016)

Bloc-Party-Hymns

Bloc Party – Hymns
Label: Infectious Music, 2016
Format: Download
Links: Discogs, Band
Genre: Synth-Pop, Indie, Dance

Eigentlich sollte die Überraschung nicht so gross sein, schliesslich durfte man bereits zur Single „Flux“ ausrasten und die bunten Clubs durchtanzen. Und dann erschienen die Soloalben von Kele, die Tanzmusik startete durch und wischte viele dunkle Gedanken beiseite. Die 90er waren wieder zum Greifen nahe und süsse Melodien strahlten. Trotzdem, „Hymns“ ist dann doch etwas zu viel, zu anders, zu plötzlich. Nicht nur haben Bloc Party die Hälfte ihrer Mitglieder ausgewechselt und nach dem grossartigen „Four“ den wilden Alternative Rock komplett verbannt, sondern in „Hymns“ sich der Tanzmusik in Abwehrhaltung gewidmet.

„The Love Within“ startet zwar mit derselben Gesangszeile wie damals „The Prayer“, hüpft dann aber wie ein Gummiball über die Synths und schnurgeraden Schlagzeugbeats. Das macht auf jeden Fall Spass, klingt aber auch wie ein Fest im Ballbecken bei Ikea, oder ein Feierabendbier in einer Kaugummifabrik. Natürlich ist dank dem Gesang von Kele Orekeke das bekannte Gefühl von Bloc Party schnell wieder da, auch die abgehackten Rhythmen der Lieder kennt man seit „Intimacy“ – aber die Gruppe hat sich wieder einmal komplett gehäutet und neu gekleidet. Stücke wie „So Real“ lassen die Indie-Vergangenheit wieder wunderbar durchschauen, verschwenden aber keine Gedanken an Kanten oder Fallgruben. Ideen werden strikte durchgezogen, Haken schlagen können andere Bands. In diesem Momenten steht Kele stark im Vordergrund, sein Gesang kann aber diese Last nicht immer tragen. Und wenn bei „The Good News“ die Gruppe plötzlich vorgaukelt, von Depeche Mode ersetzt worden zu sein, dann blickt man etwas ungläubig. Irgendwie wirkt „Hymns“ zwar reizvoll, schreckt aber in seiner Ausführung immer wieder ab. Es wirkt zu leer, zu beliebig.

In ihrer neusten Inkarnation wollen Bloc Party wieder einmal etwas komplett anderes und lassen dabei so manchen im Regen stehen. Als Electro-Pop Album funktioniert „Hymns“ ganz gut, gewinnt aber keine Preise in Innovation – doch als Fortsetzung des variantenreichen Weges der Gruppe aus England fühlt es sich etwas fehl am Platz an. Der Kitsch und die simplen Melodien stehen zu stark im Vordergrund, Erinnerungen an Eurodance und ähnliche Sparten werden wach. Wer krachende Gitarrenmusik erwartet, der sollte die Finger davon lassen, alle anderen wagen ein tolerantes Ohr voll.

Anspieltipps:
Only He Can Heal Me, The Good News, Exes

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