Live: Refused, Fri-Son Fribourg, 16-03-19

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Refused
Support: SAFI
Samstag 19. März 2016
Fri-Son, Fribourg / Freiburg

Kennt ihr diese Sänger, die innerhalb eines Auftritts alle bekannten Rockposen abziehen, auf den Monitoren rumhüpfen, das Mikrofon durch die Luft fliegen lassen und zwischen den Songs aufgeregt mit dem Publikum sprechen? Nun, Dennis Lyxzén von der schwedischen Band Refused macht all dies während einem Song – und dann einen ganzen Abend lang. Die Gruppe ist nach einer langen Pause seit 2014 wieder unterwegs und machte in Fribourg Halt. Ihre explosive Mischung aus Hardcore und Punk liess das Lokal schnell heiss werden und freudig prallten die Leiber aller Zuschauer aufeinander.

Refused boten schliesslich genügend Gründe, denn wenn die vier Mannen mit ihrem fünften Tour-Mitglied loslegen, vergisst man alles andere um sich herum. Sorgen werden klein bei dem wilden Schlagzeuggewirbel, Probleme treten hinter die krachenden Gitarrenwände. Die Band stand schon immer für politisch engagierte und sehr links eingestellte Texte – und auch wenn die Lieder zwei Jahrzehnte später teilweise etwas naiv wirken können, sind sie immer noch aktuell und wichtig. Eigentlich mehr als traurig, dass solche Musiker immer noch für Geschlechtergleichheit, Toleranz und soziale Politik kämpfen müssen. Lieder wie „New Noise“ oder „Refused Are Fuckin‘ Dead“ haben somit nichts von ihrer Sprengkraft verloren und die Band zeigte sich mehr als spielfreudig. Lyxzén raste unermüdlich zwischen seinen Mitmusikern umher, hielt lange Ansprachen und trieb die Gruppe zu heftigen Ausbrüchen.

Ihre Musik ist beeindruckend anders dank der intensiven Mischung aus Hardcore, Punk, Rock und sogar Jazz oder elektronischen Einsprengseln. Die Lieder brechen in sich zusammen, holen neue Energie aus der Tiefe und starten dann komplett durch. Die Breaks dienen nur dazu, die Instrumente wieder korrekt in die Hände zu kriegen und kurz den Schweiss von der Stirne zu wischen. Pausen zwischen den Songs braucht eine solche Band nicht, ausser ihr Sänger will seine Gedanken mitteilen. Ein Umstand, den auch das Publikum begeisterte und von Beginn bis Schluss in einen Moshpit gleiten liess. Refused bewiesen somit, dass die Welt sie immer noch will und braucht. Schön, sind sie wieder da und versuchen unser Leben etwas bunter zu gestalten.

Safi wussten musikalisch zwar nicht so zu überraschen, die Punk-Band aus Deutschland läutete den Abend aber mit vielen krummen Gitarrenriffs und hartem Gesang ein. Das Trio wurde persönlich von Refused eingeladen um sie in Europa zu unterstützen – und man merkte auch wieso. Safi sind eine intelligente Band, die viele Themen in ihren Liedern ansprechen, die auch die Schweden beschäftigen. Egal ob Golem oder Janus, zwei Gitarren oder grummelndes Schlagzeug, handgemacht und wild eroberte die Band das Fri-Son und liess bald alle ahnen, was hier noch folgt: Ein Konzertabend, der in die Knochen geht.

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2 Kommentare

  1. Ich finde es schade, dass es nicht mehr Bands mit Überzeugungen und klaren politischen Haltungen gibt. Mir fallen spontan nur Atari Teenage Riot ein.
    Es gibt ja auch nicht mehr wirklich Subkultur. Ich darf mir übrigens von meinen drei Grazien jetzt anhören, dass ich ihr Männerbild jetzt endgültig versaut habe und sie einsam sterben werden, weil niemand so toll ist wie Dennis. *lach*

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