Live: IAMX, Salzhaus Winterthur, 16-03-24

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IAMX
Donnerstag 24. März 2016
Salzhaus, Winterthur
Setliste

Ekstase – ein Wort reicht aus, um den aktuellen Zustand und Verlauf der Metanoia-Tour von IAMX zu erklären. Das Soloprojekt von Chris Corner aus London reist seit letztem Jahr erneut durch die Welt und versetzt schwarz gekleidete Menschen, düstere Clubs, Städte und Gemeinschaften in helle Aufregung. Clubmusik gepaart mit emotionalem Weltschmerz, flüssige Lavamelodien mit knusprig erhitzten Beats – der Siegeszug der Band setzt sich unaufhaltbar fort.

Jedenfalls fast gänzlich, denn dank dem Verkehrschaos vor Ostern trafen IAMX etwas später als gedacht im Salzhaus ein. Doch ein solch heftiges Konzert passt so oder so besser in die späten Nachstunden als in den Abend voller Biergespräche. Diese verstummten auch alsbald Chris und seine drei Mitmusikerinnen und -musiker die Bühne betraten und zwischen vier Leinwänden, unzähligen elektronischen Gerätschaften und Scheinwerfern ihre Plätze einnahmen. Was dann folgte, war eine Urgewalt – ein erneuter Beweis, dass die Band es blendend versteht, alle Menschen in einem Raum von der ersten Sekunde an mitzureissen. Die Keyboards und Synths hauten laute und eingängige Melodien raus, das Schlagzeug füllte die Leerstellen mit tanzbaren Beats und Rhythmen. Der Wohlklang wurde immer wieder mit Verzerrung und Albträumen gemischt, die Stroboskoplichter und Nebelmaschinen verwirrten die letzten klaren Gedanken. Wer sich am Anfang noch etwas über die Zurückhaltung wunderte, der wurde spätestens beim vierten Song mit in die Hölle genommen und nahm an der unendlichen Tanzparty teil.

Man erhielt das Gefühl einer Batterie, die mit jedem Lied stärker aufgeladen wurde und bei den Ausbrüchen von „Nightlife“, „No Maker Made Me“ oder „Your Joy Is My Low“ schier zu platzen drohte. IAMX gönnten dem Publikum wenig Ruhe und reihten lieber einen druckvollen Knaller an den anderen. Ihre Mischung aus hartem Dark Wave und modernstem Synth-Pop erzielte den vollen Effekt. Es sagt viel über die Gruppe aus, dass mich dieses Konzert so umgeworfen hat – zuletzt sah ich sie nämlich noch vor wenigen Monaten im KiFF. Doch wenn während 90 Minuten die Musik über allem dröhnte, die Videoschirme unablässig verstörende Bilder zeigten und die Lichter schier konstant Photonen in die Fresse der Zuschauer hauten, dann war dies ein hochemotionales Miteinander. Chris Corner thronte mit seiner melancholischen und oft schreiend verzweifelten Stimme als Herrscher über uns allen. IAMX spielten nicht nur ein Konzert, sie eroberten und erschlugen.

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