18h15 – Okänd (2016)

18h15_okaend

18h15 – Okänd
Label: No Label, 2016
Format: Download
Links: Bandcamp, Facebook
Genre: Electronica, Experimental

Zuerst stutzt man und erschrickt, denn wenn ein Kind sich plötzlich nach einem Ungeheuer erkundet und dabei nach seiner Mutter schreit, dann passt dies scheinbar überhaupt nicht zur glasklaren und durchscheinenden Musik. Je weiter man aber in „Okänd“ vordringt, desto verständlicher wird, dass beim neusten Album von 18h15 nichts dem Zufall überlassen wurde und alles an seinem korrekten Platz liegt. Bereits das Intro „Afraid Of The Dark“ verbindet Klänge aus Albträumen mit knarrender Electronica. Bühne frei für eine neue Ebene der Nebelwelten.

Seit 2014 veröffentlicht Cécile Nicolas via Bandcamp regelmässig neue Musik, die sich im zauberhaften Bereich der experimentellen Elektronik befindet. Ihre Lieder gleiten dabei zwischen Beats und Flächen, zwischen Post-Rock und abstraktem Gewand. Mit „Okänd“ folgt nun ein weiteres Kapitel voller von Island inspirierter Klänge. Die Melodien sind wie glitzerndes Eis, die Rhythmen wie von Meisterhand gemalte Hügellandschaften. Alles verliert sich in frühjährlichem Nebel und die Küstenlinie verschwindet hinter gebrochenen Sonnenstrahlen. 18h15 bleibt bei ihrer musikalischen Ausführung meist subtil und zurückhaltend. Damit haftet Liedern wie „Untitled“ eine Anmut an, die man mit direkten Darstellungen nicht erreicht. Ihr Ambient vermischt sich mit Downtempo und Trip-Hop, ihre gesangslosen Stücke mit Samples aus Filmen. Das Element der Horrorfilme findet sich nicht nur in den Songtiteln, sondern auch bei den Stimmen und Dialogen. Dabei will Cécile Nicolas aber die Hörer nicht in verlassene Wälder voller Monster treiben, sondern die Wirkung der Fantasie ankurbeln. Mit ihrer Musik gestaltet sie Welten voller Zauber und die Flucht vor dem tristen Alltag – genau wie auch Filme mit Fabelwesen und Schreckensmomenten.

„Okänd“ ist ein kurzes Album zum Schwelgen und Verlieren, an dessen Ende man mehr findet als man vermuten konnte. Die Dunkelheit wird in der Musik von 18h15 zu strahlendem Licht, eine Schönheit, die auch erschrecken kann. Ohne auf Opulenz oder Klischees zu setzen, hinterfragt Nicolas unser genügsames Dasein und kriecht mit grossartig arrangierten Synths unter die Bettdecke. Musik, die dank der eigenen Fantasie erst richtig auflebt und das schönste am Menschen beflügelt: Den Geist.

Anspieltipps:
Let The Right One In, Monsters Under The Bed

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s