TesseracT – Polaris (2015)

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TesseracT – Polaris
Label: Kscope, 2015
Format: CD im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Metal

Schräge Takte, metallener Bassklang der unter die Kniescheibe zieht, harte Riffs und dann plötzlich: Wunderbare Keyboardflächen, mitreissender Gesang und emotionaler Abschluss. Das eröffnende Lied von „Polaris“ zieht gleich alle Register, um dann fliessend in „Hexes“ überzugehen und dabei an Muse oder den Prog-Künstler t zu erinnern.‎ TesseracT zeigen auf, wie Prog-Metal im Jahre 2016 klingen kann, ohne den Stil zu verleugnen oder in tief eingefahrene Furchen abzudriften. Intelligent, durchdacht und trotzdem organisch fliessend.

Wie es der Labelwechsel zu Kscope bereits andeutete, ist die neuste Platte der Engländer keine reine Übung in technischer Überlegenheit und Härtegrad. Das Genre wird von der Band geschickt mit Rock und dessen vielfältigen Zusätzen verwoben – besonders berauschend mit dem Art-Rock. Kein Song auf „Polaris“ will nur mit seinen Muskeln beeindrucken, sondern findet immer wieder einen Weg, um die Augen glänzen und die Gedanken schweifen zu lassen. Arrangiert sind die Lieder wahrlich grossartig, einzelne Liedteile greifen vor, nach oder ineinander. Mit Mut zur harmonischen Gewalt und der einschüchternden Harmonie verzaubern TesseracT Herz und Kopf zugleich. Dabei dürfen die Musiker schwelgen, alles leise entstehen lassen und Lieder ganz sanft streicheln – ohne die Gefahr zu laufen, „Polaris“ im Kitsch zu verschenken. Wie Steven Wilson erreicht die Band eine homogene Verbindung aller Stile. Im Gegensatz zum Prog-Gott wird hier der Wut auch viel Platz gelassen, der Metal drückt durch und knallt alles an die Wand. Die dabei entstandenen Flecken sind aber schöner als manches Gemälde.

Wer sich zwar gerne mit Prog-Metal beschäftigen würde, aber immer von dessen Wildheit und den Frickeleien abgeschreckt wurde – oder über den Pathos mancher Bands kotzen könnte – der findet bei TesseracT endlich wieder einen sicheren Hafen. „Polaris“ ist aufregend, gefühlvoll, wild an den richtigen Stellen und abwechslungsreich. Obwohl eigentlich nichts Neues oder Fortschrittliches versucht wird, erhält man hier Musik von höchster Güte. Somit auch endlich eine Band, die von den langweiligen und bekannten Pfaden abweicht. Und all dies mit einer grossartig druckvollen Produktion.

Anspieltipps:
Hexes, Utopia, Seven Names

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