Out Of Control, Werk 21 Zürich, 16-03-04

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Out Of Control
Voice Of Ruin, Atropas, Ghost Lights, Kill The Unicorn, Anthem For A Dying Day
Freitag 04. März 2016
Dynamo / Werk 21, Zürich

Becher voller Bier fliegen durch die Luft und landen neben oder auf der Bühne, Füsse streifen die Köpfe und Körper hängen von den Scheinwerferträgern, Einhörner werden umgebracht. Der Name für diese Metal-Hardcore-Tour trifft den allabendlichen Zustand genau ins Schwarze: Sobald die erste Band harte Klänge erklingen lässt, geraten Emotionen und Zustände ausser Kontrolle. An ihrem zweitletzten Halt brachte der Zirkus „Out Of Control“ den Keller des Dynamos zum kochen. Der kleine Raum wurde von euphorischen Leuten gefüllt, die wissen, dass man an Konzerten ausrastet – egal wer auf der Bühne steht.

Wobei es aus musikalischer Sicht nichts zu meckern gab. Mit fünf Bands war die Nacht nicht nur gut gefüllt, sondern wusste auch viele Geschmäcker zu befriedigen. Egal ob man lieber über raue Betonoberflächen gezogen wird oder Schläge in die Fresse kassiert, am Ende waren alle zufrieden. Wobei Anthem For A Dying Day den Start sehr böse und ohne Gnade gestalteten. Die Gruppe aus Zürich liess die Gitarren kratzend an den Wänden entlang schleifen, Growls und schleppendes Schlagzeug drückten sich an die Körper. Ihr Metal wurde mit Punk und Sludge aufgemischt, der Bassist selber stieg von der Bühne um die Leute in den Circle-Pit zu jagen. Der Gewölberaum wurde somit schnell zum ersten Kreis der Hölle, auch wenn noch viele Besucher die kalte Luft an der Sihl genossen. Bereits bei Kill The Unicorn kehrten nicht nur die schwarz gekleideten Menschen in den Club zurück, sondern auch die harten und magenerschütternden Breaks. Der Metal drückte sich näher an den Kern und wurde härter und schneller. Crowdsurfer und Violent Dancers spalteten das Publikum, der Jubel vereinte alle.

Von diesem Moment an wurde der Abend zu einer einzigen Steigerung. Mit jeder Band, jedem Bier und Song wurde alles ausgelassener und intensiver. Ghost Lights prügelten sich so hart durch die Massen, dass für mich danach keine Steigerung mehr möglich war. Die Band war früher unter dem Namen Aim To Defy unterwegs und macht jetzt unter gespenstischer Bezeichnung die Musikszene von Wil aus dunkler. Ihre Lieder leben von heftigen Riffgewittern, wahnsinnigen Schlagzeugmustern und harten Breaks. Metal wird hier als Bezeichnung der Musik nicht mehr gerecht, schliesslich schmilzt dieses Material. Atropas versuchten diesen Zustand anschliessend wieder herzustellen, scheiterten aber etwas am sauberen Gesang und den Melodien. Trotzdem, ihr Heimspiel war ein Erfolg und die Meute wirbelte sich weiter durcheinander. Den Abschluss mit Voice Of Ruin geriet dann wieder geradliniger, machte aber weiterhin keine Gefangenen. Ihr Metalcore holte sich tödliche Unterstützung und bretterte los.

Die Band fasste den Abend gelungen zusammen, welcher einige Überraschungen bot. So sah man zwischen den bärtigen Bandshirt-Träger immer wieder Frauen, die sich gegen alles behaupteten, die Gruppen brachten in ihren düsteren Sound Humor ein und plötzlich brach der Metal zusammen und hüpfende Takte zogen ein. Da soll noch einmal einer behaupten, harte Musik sei engstirnig. „Out Of Control“ war für mich ein Experiment mit wunderbarem Resultat. Das Indoor-Festival hält noch in letztes Mal in Olten und erlebt hoffentlich bald eine Wiedergeburt.

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