Sivert Høyem – Lioness (2016)

Sivert Hoyem_Lioness_MBohli

Sivert Høyem – Lioness
Label: Hektor Grammofon, 2016
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Rock, Alternative

Die Nacht legt sich über das Land, im Schein der Strassenlampen glänzt der nasse Boden und die Hausmauern erhalten tiefe Furchen. Einsam streicht ein Mann durch die Gassen und versteckt sich tief in seinem Mantel. Plötzlich hält er inne und schaut direkt zum von dichten Wolken verdeckten Mond herauf. Tief atmet er ein und beginnt zu singen, ein wunderschöner, tiefer und fesselnder Gesang. Aus der unheimlichen Szene wird plötzlich eine freundliche Umgebung, man fühlt sich geborgen und tritt näher an den Norweger heran, lauscht seinen Worten. Die Fenster öffnen sich und aus jeder Wohnung erklingen Instrumente, füllen die Nacht mit Melodie und Harmonie, bis die ganze Stadt in Wohlklang aufgeht.

Sivert Høyem ist ein Garant – wer seine emotionsgeladene Musik mit schweren Riffs und melancholischen Arrangements mag, der erhält mit jedem neuen Album weitere, wunderschöne Lieder im Bereich des voluminösen Alternative Rock. Auch „Lioness“ macht keine Ausnahme und verheiratet Glück und Schwermütigkeit bildhübsch. Bereits bei „Sleepwalking Man“ fühlt man sich gleich wie zu Hause: Die Gitarre stimmt mit dem Schlagzeug an und erzeugt einen Boden aus schleppenden Rhythmen, Sivert singt die ersten Worte mit seiner unverkennbaren Stimme. Im Gegensatz zu „Endless Love“, dem vorangegangenen Werk, welches mich etwas enttäuschte, trumpfen die Musiker auf „Lioness“ aber gleich sofort mit Bombast und Wohlklang auf. Von jeder Seite erklingen Streicher, mehrschichtige Keyboards und akustisch gezupfte Saiten. Der Künstler schlägt somit den Bogen zu Roy Orbison oder Leonard Cohen, Menschen, die ihre Musik immer mit viel Wärme ausformulierten. Er öffnet den Rock in Richtung klassische Form und gewinnt dadurch an Leichtigkeit. Und auch wenn Høyem in seinen Texten viel auf die Nacht anspricht, wagt auch er sich an die Freiheit und versiert seinen Gesang.

Obwohl man Sivert Høyem auf gewisse Weise Stillstand vorwerfen könnte, hat sich der Norweger in seiner Nische einen bequemen Platz geschaffen. Seine Musik ist voller Schönheit, wenn auch nicht immer überraschend. Mit „Lioness“ hat er es aber geschafft, seine Formel etwas aufzubiegen und weitere Sonnenstrahlen eintreten zu lassen. Er verleiht sich selber und den Stücken eine edle Aura und wagt sich an ein Duett mit Marie Munroe – ohne dabei in Fallen zu tappen. So gefällt mir der Mann.

Anspieltipps:
Sleepwalking Man, Lioness, V-O-I-D

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s