Live: Hurts, Maag Halle Zürich, 16-02-22

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Hurts
Support: Anna Känzig
Montag 22. Februar 2016
Maag Halle, Zürich Hardbrücke
Bilder: Miriam Ritler

Man fühlte sich etwas wie in einer Skizze von Anton Corbijn gefangen. Eine farblich auf Schwarz und Weiss beschränkte Bühne, Metallkäfige und harte Strobolichter, Leuchtstoffröhren und Spiegel. Wer dabei nun an die legendäre „Devotional“-Tour von Depeche Mode denkt, der ist kein Schelm, sondern erkennt die Anleihen klar. Was Hurts an ihren Konzerten bieten, war und ist auch bei den Legenden des Synth-Pop nicht falsch. Harte Klänge aus den Keyboards neben Soul-Gesang, schwarze Anzüge neben verschwitzten Oberkörpern, riesige Refrains neben leisen Mittelteilen.

Hinter und inmitten der gewaltigen Lichtshow – welche besonders die eingängigen Zeilen überlebensgross machte und die Gestik von Sänger Theo Hutchcraft unterstrich – befand sich eine komplette Band. Diese macht Hurts verdient grösser und wandelt die Lieder für die grossen Bühnen perfekt um. So wurde man gleich von Beginn an von der Wucht des Klanges niedergedrückt und die Maag Halle bebte unter Hits wie „Better Than Love“. Wenn sich zu diesen Bandklassikern alle Zuschauer bewegten, hüpften und lauthals mitsangen, dann war das Konzert super. Doch leider folgten auf jeden dieser Eindrücke etwa drei schlechtere. Hurts kämpfen seit ihrem Debüt mit dem Umstand, dass ihre Musik immer stärker in den irrelevanten Pop des Massengeschmacks abdriftet. Oft hat man den Eindruck, die Band halte sich absichtlich zurück, nur um ihre Fans nicht vor den Kopf zu stossen. Böse ausgedrückt könnte man sogar von Electro-Schlager sprechen, der Kitschanteil wird erdrückend. Leider war gerade der Konzertbeginn schleppend und vernichtete gleich selber die düstere Gestaltung der Bühne. Was bei Depeche Mode damals ehrlich und kaputt war, ist bei Hurts leider unentschlossen und eher Fassade. Trotzdem, gerade die Überspitztheit und das masslose Auftreten der Band hatte seinen Reiz. „Rolling Stone“, „Somebody To Die For“, „Wonderful Life“ und natürlich „Stay“ liessen viele Menschen in Glückseligkeit zurück.

Anna Känzig gab sich in der Präsentation eher zurückhaltend, leitete den Abend aber gelungen ein. Die 31-jährige Schweizerin präsentierte im Vorprogramm ihr neustes Album und bezauberte nicht nur mit ihrem Aussehen. Ihre Musik klingt wie eine Mischung aus allen Einflüssen im damaligen Kinderzimmer – so traf 80er-Pop auf Kate Bush und Florence + The Machine tanzten mit. Gut gemachter Pop, der oft auch mehr versuchte. Gewisse Lieder lösten bei mir Erstaunen und sogar Gänsehaut aus, die Lieder drifteten in Richtung Peter Gabriel. Obwohl die Musik wie bei Hurts nicht sehr organisch war, klang die Gruppe doch ehrlicher. Beim letzten Lied öffneten sich alle Schleusen und eine gewaltige Klangflut schwemmte die Halle. Eine perfekte Überleitung zum folgenden Bombast, und die beste Werbung für Anna Känzig.

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