Live: Daughter, Kaufleuten Zürich, 16-02-09

Bild vo Melanie Hüsser

Bild von Melanie Hüsser

Daughter
Support: John Joseph Brill
Dienstag 09. Februar 2016
Kaufleuten, Zürich

Strahlende Gesichter und geschlossene Augen, Körper die sanft hin und her wippen, Einigkeit aus vielen Stimmen. Ein Konzert von Daughter zu besuchen war schon immer ein Erlebnis, das Musiker und Besucher gleichermassen beflügelte – der Abend im Kaufleuten in Zürich war aber noch einmal eine Stufe näher an der Erleuchtung. Wer sich zuerst durch Sturm, Regen und schier unendliche Schlangen an der Garderobe gekämpft hatte, den erwarteten eine Sinfonie der Herrlichkeit. Erstaunlich, wie schnell man seine Umwelt, Sorgen und Zweifel abwerfen kann, nur durch den Klang von Instrumenten.

Die zwei Frauen und zwei Jungs aus London, welche unter dem unscheinbaren Banner Daughter in diesem Jahr endlich ihr zweites Album veröffentlichten, durchbrachen mit ihrem Auftritt die Oberflächlichkeit und die Scheinwelt der Menschen. Mit der Wucht aus Gitarre, Synths, Bass und Schlagzeug liessen sich auch kleinste Melodien wie theatralisch vollendete Gesten von der Erde heben. Songs wie „Youth“ oder „Human“ verliessen die Gebiete des formalen Alternative Rock und umgarnten die Ewigkeit, im gleichen Atemzug rissen sie ihre alten Freunde wie „Home“ oder ihre neusten Kameraden wie „Numbers“ mit. Leise gehauchte Zeilen trafen auf wahnsinnig zerrissene Saiten – der Saal bebte unter den elektronischen Bässen und schluckte jeden Klang bei den introvertierten Pausen. Schnell waren alle Zuschauer verzaubert und jubelten frenetisch der Band zu. Der tosende Applaus brachte Elena Tonra nicht nur in Verlegenheit, sondern freute alle Mitglieder von Daughter extrem. Kein Wunder, denn das Publikum zeigte sich echt begeistert und genoss den Auftritt von der ersten Sekunde an. Ein Zustand, den man an Konzerten leider immer wie weniger antrifft.

Ein Abend wie dieser lässt sich nur schwer in das Gefäss der Worte zwängen – zu viel geht in der Transformation verloren. Denn wie kann man das Gefühl aus Glück, Melancholie und Überwältigung mit Buchstaben ausdrücken? Wie kann man mit einem Text Musik umarmen und gleichzeitig mit den Gedanken völlig abdriften? Wer nicht dabei war, erhält hoffentlich bald eine neue Chance, diese grossartige Gruppe zu erleben. Ein Vergnügen, das John Joseph Brill gleich eine gesamte Tour lang hatte. Der Singer-Songwriter mit grosser Statur, viel Haaren und noch mehr Lieder über Alkohol leitete ruhig in den Anlass ein. Leider unterhielten mich seine Ansagen mehr als die eher monotonen Lieder – seine Musik erlebte aber auch grosse Momente, wenn der Künstler seine Stimme ausbrechen liess und die Gitarre bearbeitete.

„Underneath the skin there’s a human / Buried deep within there’s a human“ – und genau um dies geht es im Leben. Treffender als es Daughter mit ihrem Auftritt gezeigt haben, kann man es nicht formulieren.

Daughter-Zürich-2_MBohli  John Joseph Brill_Zürich_MBohli

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