Live: Threshold, Kiff Aarau, 16-01-20

Threshold
Support: Damnation Angels, Spheric Universe Experience
Mittwoch 20.01.2015
KiFF, Aarau

Vielleicht war es doch keine so gute Idee, Lehrer und Schüler am gleichen Abend auftreten zu lassen. Denn wer kennt dies nicht von früher – zuerst geben sich die kleinen Knöpfe redlich Mühe, nicht all zu schlecht zu klingen, danach plustert sich der Meister vor den Besuchern auf und verliert sich in seiner holprigen Virtuosität. Schlussendlich war es dann allen irgendwie peinlich. Ganz so schlimm wurde es an der neusten Auflage von „Metal Mayhem“ im KiFF diese Woche zwar nicht, gewisse Fragezeichen blieben mir aber auf dem Weg nach Hause schon im Kopf. Vielleicht eignet sich der melodische und überschwängliche Prog-Metal auch nicht für kritische Zeitgenossen, die älter werden.

Threshold muss man aber zugutehalten, dass sie wahrlich Meister in ihrem Fach sind. Seit den 80er Jahren verstehen es die Mannen aus England clever, harte Gewitter und zuckersüsse Umarmungen zu kombinieren. Verbindend war auch an diesem Auftritt wieder Damian Wilson – der Sänger, der mehrmals ausstieg und wieder zur Band stiess. Er ist nicht nur ein begnadeter Performer, sonder extrem sympathisch und wortgewandt. Zwischen den Stücken plauderte er frischfröhlich mit den Gästen und stand dabei nie still. Solche Bewegungskurven vollbringt er auch mit seiner Stimme, untermalt er die wilden Lieder von Threshold doch mit Melodien, die aus tiefen Tälern in hohe Lüfte aufsteigen. Der Progressive Metal wurde bei dieser Band schon seit je mit viel Kitsch aufpoliert. So überlagern sich Keyboard und Gitarren gleichzeitig mit Harmonien, eingespielte Orchester und Samples machen aus den sechs Mannen eine Armee.

Glücklicherweise findet man in den Songs von Threshold aber genügend Aggressivität und harte Breaks, die aus dem Zuckerapfel schnell eine Handgranate werden lassen. So spürte man auch nach dem Konzert in Aarau wieder die Kratzspuren am Rücken und die Erschütterungen im Trommelfell. Neueres wie „Mission Profile“, „Slipstream“ oder „The Box“ machte sich breit und ging in Kampfstellung, die alten Phasen wurden eher vergessen. Die Band befindet sich im Jetzt und trauert nicht gross ihren vergangenen Zeiten nach – und klingt dadurch immer noch aktuell und topfit. Die Musiker spielten punktgenau und euphorisch, besonders Schlagzeuger Johanne James – der wirbelte seine Stöcke durch die Luft und schnitt dazu Grimassen. Somit zeugten die Engländer erneut davon, in dem Fach der technischen Drachentöter Anführer zu sein.

Die beiden weniger bekannten Bands, welche den Abend eher mittelmässig einleiteten, konnten die Besucher nicht wirklich begeistern. Damnation Angels starteten theatralisch und mit riesigen Gesten – ihre Lieder steckten aber regelmässig im Sumpf fest und klammerten sich verzweifelt an Klischees von symphonischem Rock. Irgendwie machte es aber doch Laune, was man von Spheric Universe Experience leider nicht behaupten kann. Die Gruppe aus Frankreich versuchte ihren Metal mit vielen Anteilen des Prog anzureichern, schien aber harmoniesüchtig und hat leider einen mittelmässigen Sänger. Es war somit ein Abend für Liebhaber des Genres, mit dem erwarteten Highlight Threshold. Für Menschen, die sich in eher komplexe und überraschende Musik stürzen wollten, war der Besuch im KiFF ein Fehlgriff.

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