Live: Frank Turner, Volkshaus Zürich, 16-01-19

Frank Turner And The Sleeping Souls
Support: Skinny Lister, Will Varley
Dienstag 19.01.2016
Volkshaus, Zürich

Seelig singen hunderte von Kehlen gemeinsame Lieder über Liebe, harte Zeiten und Hoffnung. Das Bier schwappt über den Becherrand, der Schweiss läuft über die Stirn, man fühlt sich wieder wie in London in einem dunklen, aber gemütlichen Pub. Dabei hat Frank Turner einen weiten Weg hinter sich und man feiert heute mit ihm in grösseren Hallen. Das Volkhaus in Zürich fasst über 1000 Menschen und der enge Tresen mit Dartscheibe ist meilenweit entfernt. Egal wie breit der Graben vor der Bühne ist, egal wie viele Scheinwerfer Schatten an die Decken und Wände werfen, man ist immer noch unter Freunden und alles wirkt intim.

Dazu trägt die offene und sympathische Art des Sängers und Gitarristen viel bei. Nie spielte es eine Rolle, unter welchen Umständen der Mann musizierte – in einer Punkband, als alleiniger Singer-Songwriter oder wie nun, mit einer vierköpfigen Band und melodischen Umarmungen. Immer war seine Musik ehrlich, seine Texte lebensnah und seine Gesinnung offen. Immer wieder ruft er zum gemeinsamen und toleranten Lebensstil auf, lässt die Fremden miteinander hüpfen und tanzen. Passend dazu sind die Lieder seines neusten Albums „Positive Songs For Negative People“ noch lockerer und zugänglicher als bereits bekannte Hits. Keyboard und Gitarren haken sich ein, Refrains gehen perfekt ins Ohr. Am wildesten wurde das Publikum während des atemlosen Konzertes trotzdem bei den Gassenhauern.

Crowdsurfer machten es vor, dank des Geburtstages von Keyboarder Matt Nasir durften die Leute sogar Kuchenstücke an die Crewmitglieder weitergeben, natürlich über ihren Köpfen. Dies sorgte nicht nur bei den Besuchern für verschwitzte Hemden, auch Frank und seine Musiker gaben alles. Pausenlos stürzten sie sich von Song zu Song, die Tourflagge – welche von Konzert zu Konzert weitergereicht wird – wedelte, eine riesige Energiemenge entfaltete sich. Unglaublich, zu was die Leute in Zürich an einem Dienstagabend fähig sind. Wobei viel Dank auch den Vorbands gilt, wussten sie es doch gezielt die Besucher anzuheizen.

Skinny Lister aus London liessen die Puppen tanzen und spielten ausgelassenen Folk-Rock mit vielen Irish-Einflüssen. Bassist Michael Camino wirbelte seinen Kontrabass durch die Luft und ging sogar damit in der Menge baden. Obwohl mir die Lieder etwas zu durchschnittlich waren, machte der Auftritt Spass – als ob Flogging Molly kurzerhand Belle And Sebastian verspeist hätten. Ruhiger und näher am Pub war der erste Künstler auf der Theaterbühne. Will Varley erkämpfte sich die Herzen mit nur einer akustischen Gitarre und seinen wundervollen Texten und Sprüchen. Egal ob er die Geschichte der Zeit und Menschheit punktgenau nacherzählt, oder satirisch von Politikern und Katzenvideos singt, launig und erfrischend wurde man in einen wilden Abend eingeführt. Immer schön zu sehen, dass die Musikszene in England so lebendig ist und Fremde zum gemeinsamen Ausrasten führt.

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