Live: Nachtmahr, Oxil Zofingen, 16.01.2016

Nachtmahr_Oxil_MBohli

Nachtmahr
Support: Phosgore
Samstag 16.01.2016
Oxil, Zofingen

Mitten in die Fresse, ohne Rücksicht oder Müdigkeit, 6.5 Stunden lang – so etwas muss man auch zuerst einmal erleben. Das Konzertjahr 2016 startete für mich mit einer Premiere, ich liess mich von den dunklen Mächten verführen und besuchte ein Goth-Konzert mit Afterparty. Zum Glück befinden sich in meinem Kleiderschrank viele schwarze Klamotten, gegen die wunderbaren Kostüme und Accessoires der Goths stinkt dies aber immer noch ab. Hauptsache nicht auffallen und in pinkem T-Shirt durch den Saal geistern, doch eigentlich wäre auch dies egal. Denn das Publikum stellte sich als extrem herzensgut und tolerant heraus, Stress oder Streit konnte man lange suchen.

Aber wer will sich schon aggressiv verhalten, wenn von der Bühne konstant krachende Bässe und Geschrei den Leuten entgegen schlägt? Die Energie, die man dadurch erhält, wird besser in wilde Tanzschritte investiert und die Party bis in die Morgenstunden verlängert. Ich war über mich selber erstaunt, dass ich bis zum – von Leuchtstoffröhren erhellten – Ende durchhielt. Denn bereits Phosgore liess als Support Act das Oxil heiss werden. Seine Mischung aus Industrial, Cyber und EBM liess nicht nur die Betonwände erzittern, sondern holte die 90er Jahre wieder zurück in das brutale Genre. Hinter seinen Bässen lauerte immer wieder eine Melodiespur, die auch im Trance nicht auffallen würde. Das kann man mögen, für mich war es aber etwas zu verspielt. Ein offener Umgang mit Samples und Spracheinspielungen lockerte die Musik auf, Flo D. zeigte sich bewegungsfreudig und riss zu allen plakativen Aussagen eine Fratze. Mehr Show als Konzert? Wie auch immer, Synths wie Fleischermesser und Beats wie Vorschlaghämmer machten keine Gefangenen.

Brutal ging es auch beim mit Spannung erwarteten Hauptact Nachtmahr zu und her. Thomas Rainer diktiert seit Jahren seine Frauen und Mann in Uniform über die Bühnen der Gothclubs und erklärt allen den Krieg. „Imperial Austrian Industrial“, die Österreicher fanden selber eine sehr passende Bezeichnung für ihr Schaffen. Jetzt verschwanden auch grösstenteils die Melodien, und die bitterbösen Bässe und Beats schlugen Magenwände ein. Wer sich nicht kugelsicher fühlte, der musste einpacken. Und wenn während des Konzertes die Nachtmahr-Girls sich gegenseitig ausziehen und -peitschen, dann werden auch die Augen überfordert. Subtil sind Nachtmahr nie, egal ob bei Klang, Bild oder Kostümen. Bei mir stellte sich aber schon die Frage, wie weit sich eine solche Szene mit Gewalt und Militär identifiziert. Ist es eine Glorifizierung, eine Satire oder einfach nur ein Ausleben von Fantasien?

Solche Fragen beantwortet ein Abend an einer Goth-Party nicht, was aber am Ende ganz klar war: Die Leute hatten ihren Spass und genossen das Konzert und die Ergüsse des DJs. Für mich war es eine erfrischende und spannende Erfahrung, für einmal in diese Welt einzutauchen. Die Härte der Musik gefiel mir sehr, ebenso das Publikum. Nur bei den Texten und dem Geschrei war ich nicht immer auf gleicher Ebene – Aufklärung kann ja noch folgen.

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s