Mike Patton – The Place Beyond The Pines (2013)

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Mike Patton – The Place Beyond The Pines
Label: Milan, 2013
Format: CD
Links: Discogs, Künstler
Genre: Soundtrack

Er stellt sich immer gerne quer und spielt nicht nach den Regeln, somit ist es eigentlich erstaunlich, dass Mike Patton die Filmmusik für „The Place Beyond The Pines“ geschrieben hat. Eine solche Auftragsarbeit ist oft vielen Konventionen unterworfen und der Spielraum klein. Doch der Künstler wäre nicht er selber, wenn er nicht auch diese Aufgabe komplett anders bewältigt hätte. Der Soundtrack ist weniger ein Album mit Bildern begleitender Songs, sondern eine erstaunlich konsistente Reise in die Klangmalerei. Anders als der Film selber überzeugt mich die Scheibe sehr.

Der Frontmann von Faith No More hat das meiste, was man auf „The Place Beyond The Pines“ hört, nicht nur selber geschrieben, sondern auch gleich eingespielt und produziert. Gelungen geben die Einzelteile die Stimmung des Filmes wieder, sind zum Glück aber weniger unausgewogen. Sicherlich, zuerst verwirrt es, wie kurz die instrumental gehaltenen Kompositionen sind. Es wirkt eher als würde man Ausschnitte längerer Werke hören, das Album wirkt somit nicht ganz kohärent und verwirrend. Je weiter man aber in diese Klangwelten eindringt, desto schlüssiger wird das Gesamtbild. Stimmungsvoll werden Synthflächen mit oft aus dem Nichts ausbrechenden Gitarrenakkorden verbunden, Chorgesang als Samples und Klavier ergänzen die Arrangements. Viele Momente sind sehr experimentell gehalten und heben dieses Werk von vielen Soundtracks ab. Patton versteht es extrem, mit wenigen Klängen eine Atmosphäre aufzubauen und der Musik ein Gesicht zu verleihen. Wie schon erwähnt geschieht dies natürlich sperrend gegenüber den Strukturen und Formatvorgaben, auch weil der Hauptbestandteil dieses Scores aus dem Computer stammt. Somit ist dies ein gewöhnungsbedürftiges Werk, welches besonders Freunde der Avantgarde und des Ambient ansprechen wird.

Ergänzt werden die Kompositionen mit diversen Liedern, die im Film angespielt werden. Entspannung findet man am Ende dank Bon Iver, Enio Morricone oder Avo Pärt. Gerade dessen zehn Minuten langes Stück „Fratres For String And Percussion“ passt perfekt zur Musik von Mike Patton und dem Film. Die Ankunft Pattons in Hollywood ist eine interessante Erweiterung seiner Karriere, gespannt dürfen wir auf weitere wundersame Alben hoffen.

Anspieltipps:
Family Trees, Beyond The Pines, Misremembering, Fratres For String And Percussion (Pärt)

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6 Kommentare

  1. Amen! Ich hatte inhaltlich etc. auch so meine Probleme mit dem Film, aber der Soundtrack hatte mich schon damals, in einer Zeit in der ich noch kein Pattonianer war, stark beeindruckt.

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