David Bowie – Blackstar (2016)

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David Bowie – Blackstar
Label: Columbia, 2016
Format: Vinyl im Gatefold, mit Booklet und Download
Links: Discogs, Künstler
Genre: Rock, Jazz, Experimental

Ein schwarzer Stern, ein dunkler Fleck im Raum, eine zähflüssige Masse, die sich wie tiefgrauer Asphalt um deinen Körper hüllt. Du fühlst dich zuerst zwar etwas unbehaglich, weisst aber, dass hinter dieser Fassade Glück und Erfüllung lauern. Wagst du den Sprung hinein, oder drehst dich weg und verpasst einen der schönsten Momente im Januar 2016? Die Entscheidung sollte klar sein, denn mit „Blackstar“ liegt seit seinem 69. Geburtstag das neuste, und leider auch allerletzte Studioalbum des Genies David Bowie vor.

Dass diese Platte die letzte sein wird, dass wir danach für immer unsere Tage ohne den Grossmeister und Visionär leben müssen, hätte niemand gedacht. Herr Bowie hat seinen langen Kampf gegen den Krebs verloren und unsere Sphäre verlassen. Trotzdem, „Blackstar“ ist kein Schwanengesang. Wie immer in seiner Karriere blieb der Künstler bis zuletzt wagemutig und ein Vorreiter. „The Next Day“ war die überraschende Rückkehr nach langer Absenz, doch es war mehr eine tolle Songsammlung als Grosswerk. Was mit Liedern wie „Lazarus“, „Dollar Days“ oder dem Titelstück uns nun aber begegnet, ist pure musikalische Güte. Die Dichte der Lieder ist extrem, man spürt viele vergangene Phasen von Bowie raus, so werden die Zeiten in Berlin, „Station To Station“ und spätere Alben wie „Heathen“ gestreift und zusammen mit neuen Ideen vermengt. Der experimentelle Rock zeugt mit Jazz kleine Kinder, stellt somit zuerst einige Hindernisse dar. Wer sich aber nicht immer gleich der einfachsten Musik zuwendet, der findet sofort Spass und Sinn. Die Tracks besitzen unzählig schöne Momente, die wie Lichtungen in einem düsteren Dornenwald auftauchen. Man lauscht genialen Gitarrenriffs, wunderschönen und Bowie-typischen Melodienspielen und verbogenen Saxophon-Solis. Je öfter die Platte auf dem Spieler rotiert, desto unwiderstehlicher werden die Kompositionen.

Wenn „Blackstar“ mit seiner zehnminütigen Eröffnung eine Wanderung über Asterioden, durch schwarzen Staub und über alte Kellerböden bietet und dann alles in Strobolichter und Fackelschein taucht, ist man den Tränen nahe. Es ist schön, dass ein so wichtiger Künstler mit einem solchen Album seine Karriere beenden kann. Zugleich ist es aber noch schlimmer, dass die neu geöffneten Türen nun nie mehr durchschritten werden. „Blackstar“ ist kein Abschluss, sondern wäre ein neuer Aufbruch und der Beginn eines neuen Abschnittes. Es liegt nun an uns allen, dieses Vermächtnis zu ehren und weiterzuführen.

Anspieltipps:
Blackstar, Lazarus, I Can’t Give Everything Away

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Ein Kommentar

  1. ich denke nicht, dass david bowie nun “in frieden ruhen” wird. er war überzeugt, wie ich auch, dass in unserem universum nichts verloren geht und er sich auch jetzt nicht langweilen wird.
    meine heroes wie die rolling stones, der beatles-rest, iggy pop, ozzy osbourne, alice cooper, eric clapton, rod stewart und alle anderen, werden sich, einer nach dem anderen, vom acker machen und unsere zeit durch die gleiche pforte verlassen.
    es bleiben ihre songs, die mich mein leben lang begleitet haben.

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