Marrakesch und die Musik

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Bilder: Cornelia Hüsser

Neujahr weg von bekannten Gebieten und Leuten zu verbringen hatte für mich immer einen besonderen Reiz. Man muss sich nicht mit den Fragen nach Partys und Anlässen herumschlagen, man muss keine Essen planen und enttäuscht niemanden – oder alle, da man sich nirgends zeigen kann. Meine Freundin und ich verliessen darum den Kontinent Europa und fanden uns wenige Stunden später in Marrakech wieder. Bereits nach wenigen Minuten in Marokko war klar, als Schweizer fühlt man sich in diesem Land auch Ende Dezember wie im Sommer – Temperaturen über 25 Grad und steter Sonnenschein. Afrika zu besuchen war eine wunderbare Entscheidung.

Natürlich ist der Aufenthalt in einem solchen Land zuerst ein kleiner Kulturschock – Verhalten, Auftreten und Umgang mit den Mitmenschen funktionieren sehr anders als bei uns in Europa. Die Religion ist immer noch die Ton angebende Institution, immer wieder schallen die Rufe und Gesänge der Muezzine durch die Gassen. Die Frauen kleiden sich sehr bedeckt, und die meisten Redewendungen spielen mit den Worten aus dem Koran. So etwas für einmal in echt wahrzunehmen, war schon speziell. Trotzdem, gerade die religiösen Ausrufe passen in die Häuserschluchten und engen Verkaufsläden der Medina, es verstärkt die Klangkulisse um ein melodisches Element. Den Rest machen vor allem die Mopeds aus, die mit grossem Tempo kreuz und quer durch die Menschenmassen brausen. Daneben gibt es Marktschreier, laute Diskussionen und Gewieher von Pferden.

Am wildesten geht es auf dem grossen Platz Djemma El-Fna zu und her. Im Herzen der Altstadt gelegen, führen alle Absichten und Wege zu dieser Fläche. Egal ob Nachmittag oder Nacht, hier finden sich Einheimische und Touristen gleichzeitig ein und lauschen den Geschichtenerzählern, kaufen frischen Orangensaft, essen etwas leckeres an den Garbuden oder feilschen um den Preis für einen Teppich. Dazwischen erklingen laute Trommeln und Blasinstrumente, die Schlangenbeschwörer haben sich ihren Platz erkämpft. Da weichen sogar die Tanzaffen gerne aus, die Kutschen fahren einen Bogen. Bei diesen Darbietungen konnte ich keine wirklichen Lieder heraushören, mehr eine konstante Klangmalerei.

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Musikalisch interessant waren die Jams und fröhlichen Spontankonzerte von einheimischen Musikern oder Menschen aus dem Atlasgebirge. Hier wurden mit Banjos, Trommeln und Laute spontan traditionelle Lieder dargeboten. Einen vertiefenden Einblick in das musikalische Erbe der Berber erhielten wir beim Tagesausflug in das Atlasgebirge, genauer dem Ourika-Tal. In einem Museum konnten wir selber die Loutar, Darbuka und Schere ausprobieren. Jawohl, das Volk macht mit einer speziellen Schere Musik. Die daraus entstehenden Stücke sind sehr rhythmisch, repetitiv und laden zum gedanklichen Versinken ein. Unser Tourführer war erfreut, dass uns die Musik aus Marokko gefiel, er schenkte mir zum Abschluss einen USB-Stick mit einigen Alben von Künstlern aus der Region Marrakech und benachbarten Ländern wie Algerien. Hier wird von mir bestimmt noch ein weiterer Eintrag dazu folgen.

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Natürlich ist auch Marrakech eine Stadt, in der die westliche Welt langsam Einzug hält. Im Dar Crystal, dem wunderschönen Haus  in der Mellah, in dem wir übernachteten, liessen die Mitarbeiter gerne am Abend ein wenig Techno laufen, in den Geschäften und Cafes läuft auch moderner Pop. Aber trotzdem, die Stadt lässt eine Auseinandersetzung mit den Traditionen und alten Klängen zu jeder Sekunde zu und offenbart somit viel Interessantes für neugierige Besucher. Eine Reise in diese lebendige und rote Stadt lohnt sich auf jeden Fall, unser Aufenthalt verging jedenfalls viel zu schnell.

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4 Kommentare

  1. Ahaha, eine Nacht in deiner Unterkunft hat ungefähr so viel gekostet wie der komplette Aufenthalt in meinem Hostel.
    Oh man, ich beneide dich wegen dem Stick. Daraus könnte doch auch ein Dropboxordner werden, oder? Ich habe auch eine CD mit nach Deutschland gebracht. Hattet ihr für mehrere Sachen einen Führer oder nur für den Tagestrip?

    1. Wir hatte ein super Gesamtpaket mit Flug und allem, fand ich ganz bezahlbar. Und meiner Liebsten will ich ja das Beste bieten. 😉
      Klar kann ich gerne mal was rauf machen. Hab selber aber auch noch nicht so viel angehört. Und die Ordnung auf dem Stick bringt mich zur Verzweiflung. xD
      Wir hatten eine Stadtführung und dann den Tag in Ourika-Tal. Aber sonst alles auf eigene Faust erkundet.

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