Mint – Magazin für Vinylkultur 16/01

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Eigentlich ist es naheliegend, aber trotzdem irgendwie lustig: Dialog GmbH veröffentlicht ein neues Magazin über Vinyl – also ein Loblied über ein fast ausgestorbenes Medium, via immer unwichtiger werdendem Gefäss. Print ist rückläufig, die Schallplatten sind nur noch ein kleiner Punkt am Marktanteil. Aber trotzdem scheint dieser Schritt genau richtig zu sein, wird doch in allen Kanälen von der grossen Rückkehr der schwarzen Scheiben geschrieben und alle hippen, jungen Menschen haben sich im Wohnzimmer wieder ein Spieler aufgebaut. Schnell wird aber klar, dass es sich bei diesem Heft um ein wahres Erzeugnis für Menschen mit einem kleinen Knacks handelt.

Schon alleine der Name MINT zeugt von tieferer Behandlung der Vinylkultur, als nur das oberflächliche Geschwafel diverser Blogs und Zeitungen. Der Titel bezieht sich nämlich nicht auf die wunderbar schmeckende Pflanze, sondern die Zustandsbeschreibung von Vinyl. Eine Platte mit dem Prädikat Mint ist perfekt, neu und unverbraucht. Und genau so nerdig geht es dann auch beim Inhalt weiter. In dieser ersten Ausgabe finden sich Reportagen über die Plattenbörse in Utrecht, über den analogen Mastering-Meister John Cremer, den Vinylraum des 25 Hour Hotel in Hamburg oder And Vinyly – das Angebot, die Asche eines Verstorbenen in Vinyl zu pressen. Soweit so verrückt, als Leser und Geniesser dieses Hefts habe ich mich aber immer wieder ertappt, die Berichte mit einem zufriedenen Lächeln zu geniessen.

Einerseits ist es doch wunderschön, sich in einem gleich gesinnten Kreis zu fühlen und die Leidenschaft zu teilen. Schliesslich nimmt Vinyl auch bei mir zu Hause im Wohnzimmer eine halbe Wand ein. Andererseits ist es auch beruhigend immer wieder zu erfahren, dass es noch viel wahnsinnigere und „schlimmere“ Sammler und Süchtige des schwarzen Goldes gibt. Denn MINT bietet nicht nur Einblicke in fremde Sammlungen, sondern auch Tipps zur Regalstatik, Rezis zu vielen Pressungen und eine grosse Menge an Händler- und Shopadressen. Schön, dass hier Geschäfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Plattform erhalten. Somit kann man auch in seiner eigenen Region vielleicht noch neues entdecken und weitere Liebhaber kennen lernen.

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Highlight dieser ersten Ausgabe war für mich das Streitgespräch zum Thema „Vinyl auf dem Peak“. Darin werden die Themen Hype, Verkaufszahlen, Record Store Day, Presswerke und Preispolitik interessant und aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Lustig ist dabei die eigentliche Schlussfolgerung, dass Vinyl eher unter diesem Moderummel leidet, ein solches Magazin dies aber weiter unterstützt. Trotzdem, ist es schön zu sehen, dass dieses unsterbliche Medium weniger belächelt wird.

MINT kann ich somit allen ans Herz legen, die sich ernsthaft mit Vinyl und der Kultur darum beschäftigen. Das Magazin ist toll gemacht, erscheint in hübschem Layout und die Texte lesen sich fliessend. Mit einem Preis von 4.90 Euro ist es zudem erschwinglich und beweist einen nicht ganz ernsten Umgang mit gewissen Themen. Wunderbar erfrischen fand ich die ehrlichen Plattenbesprechungen. Die neue Coldplay ist „ein Gute-Laune-Album, das unglaublich nervt“, Mumford & Sons haben eine tolle Vinylpressung, musikalisch sind sie aber nur langweilig. Bissige Kommentare, die ich so leider oft bei dem Mutterheft Visions vermisse.

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5 Kommentare

  1. Schöne Zusammenfassung!
    Ich habe mir das MINT-Magazin kurz vor Weihnachten auch voller Vorfreude gekauft und war recht schnell ernüchtert. Insgesamt leider ein wenig zu viel Selbstbeweihräucherung von alten Sammlern, für meinen Geschmack. Nebenbei noch 4 Seiten Vorstellung von Büchern, statt eine eigene interessante Reportage über Sammler o.ä.. Ich hätte lieber 2 Euro mehr für MINT bezahlt, aber dafür ein paar Seiten mehr echten Inhalt gehabt.
    Schade, weil ich in diesem Magazin eigentlich eine Chance gesehen hätte die NEUE Vinylkultur zu betrachten, statt den Fokus so sehr auf alten Platten (ständige Nennung von Pink Floyd) zu legen.

    Das Streitgespräch „Vinyl auf dem Peak“ war aber tatsächlich extrem lesenswert! Auch, wenn wieder von den „coolen Kids“ in Utrecht gesprochen wird, was jungen Lesern wohl nicht unbedingt schmeichelt.
    Trotz alle dem bin ich sehr gespannt auf die nächste Ausgabe. Das erste Heft ist ja auch erstmal nur ein Blindschuss und die Redaktion hat definitiv die Chance verdient ein wenig am Konzept zu feilen:)

    1. Da hast du recht. Gerade die Werbeseiten über die Bücher waren etwas unverschämt. Grundsätzlich war ich mit dem Inhalt doch ganz zufrieden, auch wenn noch viel Raum nach oben bleibt.
      Glücklicherweise lag das Heft gratis bei der neuen Visions dabei, und mit solchen Nerd-Dingen kriegt man mich immer schnell rum.
      Ich bin sehr gespannt, was die Redaktion mit dem Konzept und Heft machen wird. Vor allem sind die Themen ja irgendwann erschöpft.

  2. Ahaha, meine Eltern sind extra am 23. Dezember noch zum Bahnhof geschlendert, um dieses Weihnachtsgeschenk zu besorgen. *lach* Ich habe es noch nicht ganz durch, fühle mich jetzt aber schon als unter 40-jähriges weibliches Wesen irgendwie unterrepräsentiert.

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