Swatka City – Marabu (2015)

swatka city_Marabu

Swatka City – Marabu
Label: Irascible, 2015
Format: Download
Links: Facebook, Band
Genre: Rock, Alternative

In Graustufen und nicht sonderlich fröhlich begegnet uns der Marabu auf dem Cover der zweiten Platte von Swatka City. Wie in einem alten Stummfilm oder Theater glaubt man, den Vogel aus Nebelschwaden aufsteigen zu sehen, passend zu den verwaschenen und dröhnenden Klängen des Intro „Tatlagin Kholboo“. Die Flügel der Musik und des Tieres werden gleichmässig ausgebreitet und lassen uns in ihrem Schatten verschwinden. Die Atmosphäre ist staubig und etwas unheimlich, aber die Neugier gewinnt. Man wagt sich weiter in die Musikdichte des Nydegger Duos.

Aufgenommen in einem Haus in Italien haben die zwei Mannen den Rock auseinandergenommen und die Einzelteile genau betrachtet. Nicht nur haben die Musiker alles selber geschrieben und eingespielt, sie haben das Album auch selber produziert. Die elf Lieder klingen dadurch nicht nur frisch und unabgeklärt, sondern versprühen die lockere Neugier. Roh und kratzend dringen die Stücke in unsere Ohren und zeugen von unkompliziertem Umgang mit der Stilrichtung. Jeder Moment versprüht düsteres Leben, es krabbelt konstant unter der Oberfläche wie bei „Too Cold“ oder „Ghostwriter“. Frech werden Lücken in den Melodien und Takten von verzerrten Instrumenten und gebrochenen Gitarren gefüllt. Dabei erinnern sie nicht nur an grosse Bands aus England wie Blur, sondern mischen auch experimentelle Elemente bei – wie es auch TV On The Radio und dergleichen nicht besser könnten. Da kann es schon mal passieren, dass die songleitenden Melodien über Bord geworfen werden und Akkorde kratzend aus den Saiten geschrammt werden. Bass und Schlagzeug stolpern hinten durch das Wohnzimmer, vergessen aber nicht eine Grimasse zu schneiden. Trotz all diesen Versuchen überschätzen sich Swatka City auf „Marabu“ nie, das Werk steht mit beiden Beinen auf dem Boden und macht Spass. Auch dann, wenn sie frech den Hit „Voyage Voyage“ kapern und aus dem Popschnulz einen dreckigen Untergrundhit basteln.

„Marabu“ weist somit alle nötigen Zutaten für ein aufregendes Rockalbum auf, behauptet sich aber auch mit Eigenständigkeit. Klischees werden umschifft, die alternativen Sichtweisen zugelassen. Swatka City versinken zwar oft in den dunklen Gängen und Schatten, die Endzeit bleibt uns trotzdem verwehrt. Somit wird dieses Album wohl unter so manchem brennenden Weihnachtsbaum liegen, aber hoffentlich nicht so lange bis das Vinyl schmilzt. Wobei, zur feurigen Musik würde dies auf jeden Fall passen.

Anspieltipps:
Too Cold, Mammoth, In Symmetry

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