New Order – Music Complete (2015)

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New Order – Music Complete
Label: Mute, 2015
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: New Wave, Synth-Pop

Was zuerst etwas dahinplätschert, schlägt plötzlich ein. Der unscheinbare Titel „Tutti Frutti“ pocht und drängt, man fliegt im Früchtekorb durch Raum und Zeit. Das Lied lässt uns alle Zweifel vergessen und löst die Erwartungen ein, die alle an das neue Album von New Order gestellt haben. Die Wiederauferstehung der New-Wave-Legende kam überraschend, denn neue Veröffentlichungen waren für eine lange Zeit nicht in Aussicht. Mit „Music Complete“ wollen es die Herren aber noch einmal wissen. Leider.

Eigentlich ist die Scheibe toll und wird ihrem Namen gerecht, denn New Order schaffen es, jede ihrer Phasen noch einmal zu tangieren und die Lieder unterschiedlich zu gestalten. Man findet sich im Gitarren-Pop wieder, tanzt zu druckvollen Clubhits und schmachtet bei Synthballaden. Die Band konnte sich dabei nicht zügeln und lässt die Lieder gerne über die Grenzen von sechs oder sieben Minuten auslaufen. Somit ist „Music Complete“ ein erstaunlich langes Album, aber hat wenig Biss. Der technoide Knaller mit den Früchten ist eine der wenigen Ausnahmen, Spass machen auch die Gastauftritte von La Roux. Da kann nicht einmal Iggy Pop Land gewinnen, New Order sind zu wenig Punk. Kitsch und Wohlklang haben die Nase vorn und können sich auch nicht hinter der starken Produktion verstecken. Bereits der Einstieg mit „Restless“ ist zahnlos, viele andere Songs wirken unausgegoren und langweilig. Solch billiges Songwriting ist man sich von dieser Gruppe nicht gewohnt. Man hätte locker die Hälfte der Lieder weglassen können und die Scheibe wäre immer noch genügend lang und unterhaltsam.

Somit geht es wohl manchem Hörer wie mir: Sobald die Scheibe durchgehört ist, vergisst man alles sofort wieder und greift lieber zu den älteren Werke von New Order. „Music Complete“ disqualifiziert sich somit selber und nimmt sich jede Berechtigung. Früher fühlte man sich bei der Band verstanden und wohl, heute ist es wie eine auseinander gelebte Freundschaft. Merkwürdig und mit zu viel Abstand.

Anspieltipps:
Restless, Tutti FruttiPeople On The High Line

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