Archive – Unrestricted (2015)

Archive_Unrestricted

Archive – Unrestricted
Label: Dangervisit, 2015
Format: Download
Links: Band, Facebook
Genre: Remix, Electronica, Techno

Warum hört man sich bei der Musik eigentlich Versionen von Liedern an, die von fremden Künstlern verändert wurden? Man geht ja auch nicht ins Kino, um eine Schnittfassung von einem anderen Regisseur anzusehen oder in ein Museum, um ein übermaltes Bild zu betrachten. Trotzdem, die Remixkunst ist eine spannende und oft beeindruckende Sparte in der Musikindustrie. Gerade im elektronischen Bereich bietet es sich an, eingespielte Spuren neu zu mischen und effektvoll zu verbiegen. Auch die englische Band Archive liess ihr neustes Album „Restriction“ von Gästen durch die Mangel nehmen, verpasste dabei aber einige Chancen.

Interessant an dem Projekt ist auf jeden Fall, dass sich das Kollektiv bereit erklärte, die neuste Scheibe komplett umbauen zu lassen. Hier finden sich nicht Remixe, welche über die gesamte Diskografie verteilt sind, sondern eine konsequente Reihenfolge. Dabei wurde jeder Track von einem anderen Künstler zur Verfügung gestellt, was aber nicht gross auffällt. Über das Album hinweg wurde die Klangfarbe von Archive beibehalten, oft befindet sich allerdings zu viel Wasser im Farbkasten. Mit Weiss neue Nuancen zu ziehen ist eine nette Geste, scheinbar fielen die Lieder aber in einen Kessel. Für meinen Geschmack wurden zu viele Elemente komplett entfernt, die Archive auszeichnen. Es fehlen die Klangkathedralen, die wuchtigen Ausbrüche und deren vorangehende Aufbauten. Lieder wie „Restriction“ plätschern vor sich hin und weisen nebst einem netten Beat keine tollen Einfälle vor. Was das Kollektiv sonst so eigen und spektakulär macht, wurde hier gestrichen und durch Clubsound für den Wochentag ersetzt. Gelungen sind nur „Feel It“ ohne den Rumpelsound, oder „Kid Corner“ wegen Holly Martin. Sicherlich ist ein Remix immer die Chance, die Identität des bearbeitenden Künstlers einzubringen. Doch nicht einmal dies scheint hier geklappt zu haben. Die meisten Tracks erhalten wenig Gelegenheit zu glänzen, die Synthstrukturen könnten alle vom gleichen Musiker stammen.

Wer sich von Archive schon immer mal ein Album gewünscht hat, das er in der Lounge, im Cafe oder beim Abendessen mit Freunden im Hintergrund laufen lassen kann, für den ist „Unrestricted“ die passende Scheibe. Ohne aufzufallen wird die Musik den Raum füllen, Akzente setzen ist Aufgabe der Tapete. Schade hat sich kein Remixer getraut, die Lieder mit der Brechstange zu öffnen und dann mit Hammer und Nagel neu zusammenzuzimmern. Die Nähe zum Original ist eben doch nicht immer ein Gewinn.

Anspieltipps:
Feel It (Isam Belone Belone Remix), Kid Corner (GAPS Remix), Black And Blue (Ulrich Schnauss Remix)

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2 Kommentare

  1. Ich liebe Archive – habe sie dieses Jahr zum ersten Mal endlich live gesehen – soooo cool. Ich glaube eine der Bands von denen ich alle Alben brauche, wobei ich bei Deiner Review hier gerade überlege, ob ich die vielleicht weglassen könnte 😉

    1. Archive sind auch eine meiner liebsten Bands, und besonders live immer wieder eine Offenbarung.
      Da Remix-Versionen von Liedern immer schwierig zu beurteilen sind, empfehle ich dir zuerst reinzuhören. Für mich ist die Magie von Archive hier leider zu stark verloren gegangen. Da bleibe ich lieber bei ihren eigenen Werken.

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